liebe Kätzchen für liebe Menschen

 


© Renate Wald, Ciara's Ragdolls



Frage: Ist meine Katze eine Ragdoll oder ein Ragdoll-Mix?

 

Immer wieder einmal erhalte ich E-Mail Anfragen mit Fotoanhang, ob es sich bei der abgebildeten Katze, meist irgendwo gefunden, gerettet oder zugelaufen, um eine Ragdoll oder zumindest um einen Ragdollmischling handeln könnte. Ich wurde aber auch schon gefragt, warum es in einem Hauskatzenwurf gleichzeitig kurz- und langhaarige, bzw. "siam-" und "hauskatzenfarbige" Kätzchen gab. Deshalb dachte ich, ich veröffentliche mal - natürlich mit Erlaubnis der Katzenbesitzerin - einen ensprechenden Briefwechsel, der vielleicht insbesondere für andere Besitzer von Pointkatzen interessant ist, die sich fragen, welcher Rasse ihr schnurriger Liebling angehört:


 

Dienstag, 09. Januar 2007 6:59 PM

Betreff: Ungewöhnliches Anliegen......?


Hallo liebe Frau Wald,

ich bin zufällig auf ihre herrliche Homepage gestossen und glaube, dass ich diesmal sehr nah an des Rätsels Lösung bin.

Bevor ich jedoch jetzt -für sie- in Rätseln schreibe, hier mein Anliegen:

Ich habe Ende August 2005 ein kleines Katerchen aus Budapest geflogen (er wurde dort von einer Bekannten mit grad mal 6 Wochen auf dem Wochenmarkt in Rumänien gerettet......mehr tot als lebendig :-(

Leider konnte sie ihn jedoch nur bis zur ungarischen Grenze bringen, wo ich ihn dann abholte und in den Norden Deutschlands entführte ;-) und wir waren bis jetzt am rätseln, was für eine Rasse vielleicht in ihm stecken könnte.

Als er noch ein kleines Kitten war, ähnelte er eher einem "Steckdosenkaterchen" (so sehr standen ihm die Haare zu Berge ;) und wir hörten, dass er eine Birma sein könnte oder eben ein Siam-Langhaar-Mix........ABER, dank ihrer Page und den wunderschönen "Raggies" dort, meine ich, dass in unserem Prachtkerl viel mehr ein Teil dieser zauberhaften Rasse stecken könnte.

Natürlich ist eine Beurteilung nach einem Bild (ohne Elterntiere und genetischen Nachweis) sehr schwer und eigentlich ist es mir auch nicht wichtig, ob Rassekatze, Rassemix, oder Wald- und Wiesenkater, aber so ein bischen stolz war ich schon, als ich den Vergleich mit einigen Katzen auf ihrer Page anstellte.

Vielleicht haben sie die Zeit, die angehängten Bilder anzuschauen (für das Letzte entschuldige ich mich schon mal vorab, aber ehrlich, sonst liegt er noch komischer da und das ist das einzig aktuelle, wo man auch seinen Puschelschwanz sieht ;) und uns ein kurzes Feedback zu geben, was ein Profi, wie sie, denn von unserem Kater hält.

Oh, fast vergessen, unbekannt soll der "Kleine" ja auch nicht bleiben. Das wunderschöne (in unseren Augen ;) Kerlchen heisst "Mocca" und wurde geschätzt am 22.07.2005 geboren. Er ist eine Seal-Point (dank ihrer Page wieder ein Rätsel weniger), mit eher wischiwaschi hellblauen Augen - Ok, er gewinnt vielleicht keine Pokale, aber hat unser Herz (und das unserer 2 Katzendamen) im Sturm erobert.

Mocca, 1 Jahr alt (Foto: Besitzerin)

So eine Katze, also vom Charakter her, ist mir noch nie begegnet. Er ist ein echter Kumpel, in allen Lebenslagen! ;) Eher ein kleiner Hund, als eine Katze........er schaut neugierig bei allem zu und betrachtet einen dann mit einem wissenden Professorenblick, das man meinen könnte, er hätte alles durchschaut und verstanden. Andererseits ist er ein kleiner Tollpatsch und Clown, dass wir uns oft vor Lachen nur so kringeln. Alles in Allem, einfach eine Wucht :-)

Viele liebe Grüsse in den Süden sendet ihnen...

XYZ


 

Meine Antwort:


Hallo Frau XYZ,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage - die ganz und gar nicht ungewöhnlich ist :-). Ehrlich gesagt bekomme ich ziemlich häufig Katzenbilder zugeschickt und werde um Auskunft gebeten, welche Rasse beteiligt sein könnte, bzw. ob es sich dabei um eine echte Ragdoll oder wenigstens einen Ragdoll-Mix handelt.

Leider kann man "nur von Weitem gesehen" i.d.R. keine Auskünfte geben (außer die Katze hätte besonders deutliche Merkmale wie z.B. ein relativ kurzes Gesicht und kleine Ohren - *könnte* auf Perservorfahren hinweisen, usw.). Jedenfalls würde ich mich nicht trauen, selbst eine noch so rassetypische Katze nur von einem Foto her zu beurteilen, wenn ich sie nicht im Original gesehen habe und u.a. auch den Knochen- und Körperbau fühlen konnte.

Einige Länder wie z.B. die USA und unsere östlichen Nachbarn sind dafür bekannt, dass in ihrer Hauskatzenpopulation die Gene für Pointfarben und Langhaarigkeit besonders stark vertreten sind (daher ist es auch kein Zufall, dass insbesondere die neueren pointfarbenen und langhaarigen Katzenrassen oftmals aus dem Ostblock stammen, wie z.B. die Neva Masquarade und die Mekong Bobtail). Meist kommt das noch aus Zeiten, wo man auch wertvolle Rassekatzen noch relativ unbesorgt im Freien laufen lassen konnte und Wohnungskatzen sowie die Kastration einfach noch nicht üblich waren - oder immer noch nicht sind. Gerade die bekanntesten und ältesten Katzenrassen, nämlich Siam und Perser, spielen hier eine große Rolle, und somit sind es auch meist deren Gene, die für ein pointfarbenes und/oder langhaariges Kätzchen verantwortlich sind. Kennen Sie den Walt Disney Film von 1965 - "Alles für die Katz" (That Darn Cat!)? Der tierische Held des Films ist ein großer, dunkler Siamkater, der die ganze Nachbarschaft unsicher macht, sehr typisch für die Zeit.

Da aber bei Pointfarbe und Langhaarigkeit immer zwei gleiche Gene zusammenkommen müssen, diese Gene aber nicht unbedingt gezeigt, sondern auch viele Generationen lang verdeckt im Erbgut getragen werden können (man nennt das "rezessive Gene"), können theoretisch auch "ganz normale" Hauskatzen, d.h. ein Kurzhaar-Tiger oder schwarze Katzen ein langhaariges Kätzchen mit blauen Augen und "Siam-Abzeichen" hervorbringen, sobald diese Gene von jedem Elternteil weitergegeben wurden. So kann es auch durchaus vorkommen, dass sich in einem Wurf gleichzeitig "normalfarbene" und pointfarbene und/oder langhaarige und kurzhaarige Katzengeschwister befinden, eben je nachdem wie sich die Gene von Vater und Mutter zusammengefunden haben.

Speziell in östlichen oder südlichen Ländern sind Ragdolls doch noch eine relativ seltene oder gar nicht vorkommende Rasse (teilweise einfach noch unbekannt und zum "Neukauf" - teuerer Import aus dem Ausland - auch zu kostspielig), und die wenigen, wertvollen Exemplare werden heutzutage sicher gehütet wie der eigene Augapfel. Und auch bei uns werden Ragdolls doch vorwiegend als reine Wohnungskatzen gehalten, unkastrierte freilaufende Tiere sind wohl die absolute Ausnahme. Daher kann man eigentlich davon ausgehen, dass bei einem Kätzchen von ungeklärter Herkunft, egal ob auf einem Bauernhof gefunden, oder eben auch auf einem Wochenmarkt gekauft, die Ragdoll keine Rolle gespielt haben dürfte.

Übrigens geben auch Tierärzte und Tierheime nur zu gerne Auskünfte, was die Rasse eines Kätzchens mit unbekannten Eltern betrifft. Obwohl man denken könnte, dass dort aufgrund des Kontakts mit so vielen verschiedenen Tierrassen die Voraussetzungen für eine Rassebestimmung geradezu ideal sein müssten, muss man doch feststellen, dass dies i.d.R. nicht der Fall ist, ganz im Gegenteil :-). Daher bleibt nur der Schluss, dass man entweder nicht zugeben will, dass man keine Ahnung hat (was eigentlich keine Schande wäre, denn selbst einem langjährigen Züchter und damit erfahrenen Experten der vermuteten Rasse wäre so eine Rassebestimmung nur erschwert bis gar nicht möglich), daher sagt man einfach etwas, damit der Katzenbesitzer zufrieden von dannen zieht. Oder - speziell bei Tierschutzeinrichtungen - liegt auch der Verdacht nahe, dass das jeweilige Tier damit ein wenig interessanter gemacht/"aufgewertet" werden soll, was die Vermittlungschancen erheblich vergrößert. So nach dem Motto: ein Hauskätzchen hat ja jeder, irgendwie wärs doch ganz nett, wenn das Kleine ein bisschen Rassekatzenblut hätte und man wüsste, welches, oder gar ein wirklich reinrassiges Tierchen wäre? Vielleicht kann sich auch noch der eine oder andere an die Tiervermittlungssendung im Österreichischen Fernsehen "Wer will mich?" mit Edith Klinger erinnern. Dort wurden die Schäferhund-Mixe, gerne mit Schlappohr, auch stets als "Zwergschäfer" vorgestellt. Obwohl es natürlich keine Hunderasse namens "Zwergschäfer" gibt, hörte es sich doch viel netter an als "Mischling", und keiner hat's krumm genommen.

Die Ragdoll hat einen gemäßigten, harmonischen Körperbau, ist ohne Extreme und entspricht damit einem recht ausgewogenen Katzentyp, auf den ersten Blick gleicht sie sozusagen der "Katze von nebenan" (diese Aussage ist absolut nicht abwertend gemeint, sondern ich finde es ausgesprochen prima - an der Ragdoll ist alles dran, was eine Katze so braucht, und das in Kombination mit dem Pointfaktor & der Weißscheckung, Langhaarigkeit, sowie einem bezaubernden Charakter macht die Rasse trotzdem zu etwas ganz Besonderem). Dies ist wohl auch der Grund, warum Besitzer von pointfarbigen Mix-Kätzchen in der Ragdoll oft große Ähnlichkeiten mit ihren eigenen Katze sehen, obwohl - näher hingeschaut - abgesehen von den blauen Augen und der Fellfarbe gar keine so große Ähnlichkeit besteht.

Aber wie Sie schon selbst festgestellt haben, egal ob Rassekatze oder Mix-Kätzchen, Hauptsache lieb :-) - und wenn man es genau nimmt, sind *alle* Katzen wunderschön, jede auf ihre Art.

Jedenfalls hatte Mocca ein Riesenglück, dass er von Ihnen gerettet wurde - und mit seinem einmaligen Charakter ist er ja auch eine ganz große Bereicherung Ihres Lebens, mehr kann man sich als Katzenbesitzer eigentlich gar nicht wünschen.

Herzliche Grüße von den Ciara's Ragdolls,

Renate Wald
http://www.ciara.de



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