liebe Kätzchen für
liebe Menschen
© Renate Wald, Ciara's Ragdolls bzw. Katzen extra
Ragdoll Interview - Katzen extra
n der Ausgabe 3/2005 des monatlich erscheinende Katzenmagazins Katzen extra war ein ausführlicher und toll recherchierter Rassekunde-Artikel zum Thema "Heilige Birma und Ragdoll - und wie man sie von einander unterscheidet" abgedruckt. Ich habe mich riesig gefreut und fühlte mich auch sehr geehrt, als mich die Autorin Christina Klinka im Vorfeld fragte, ob ich für diesen Artikel ein Interview geben würde. Hier ist der Text, wie gesagt nur ein kleiner Teil des Gesamtartikels (bis auf die Bilder, die bereits auf der Seite Unterschied zu anderen Katzenrassen gezeigt werden, z.B. Ragdollprofil, Birmazeichnung, usw., habe ich nachfolgend auch alle meine Fotos aus dem Katzen extra-Artikel in den nachfolgenden Text eingebaut):
Experten-Schlusswort
ollte ich etwas vergessen haben (nobody is perfect), finden Sie es sicherlich im nachfolgenden Interview, zu dem ich Renate Wald (Ciara's) gebeten habe, die sich seit 1986 mit den Ragdolls befasst und daher mit Karin Hughes-Dentler zu den Pionieren in Deutschland und den Frontfrauen der IG-Ragdoll im 1. DEKZV zählt (Anmerkung R.W.: Aus Zeitgründen bin ich - im Gegensatz zu früher - schon etliche Jahre nicht mehr in der IG aktiv). Sie züchtet seit 1990. Für die Freunde der Heiligen Birma mag dadurch übrigens der Eindruck entstehen, der Schwerpunkt würde Richtung Ragdoll verrutschen, wofür ich um Verständnis bitte. Die Birma ist eine seit langem etablierte, konstante Rasse, während bei der vergleichsweise jungen Ragdoll sich grade mal wieder Neues tut - wie zum Beispiel die bereits erwähnte Angleichung der Farbpalette an die der Birma.
Katzen extra: Frau Wald, plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen, inwieweit sich die Ragdoll seit den Anfängen der Zucht verändert hat
 Ragdollkater EP "Patriarca Ragakevin", seal-bicolour, geb. 1985 |
Renate Wald: Die ersten Ragdoll-Zuchtkatzen in Deutschland wurden ausschließlich aus England importiert. Aufgrund der Quarantäne in GB gingen damals alle englischen Ragdolls auf zwölf USA-Importe zurück, im Laufe der Jahre hatte sich deshalb ein ganz eigener "englischer Typ" entwickelt, der unter den Ragdollzüchtern auch als "Blossom-Time"-Typ bekannt ist, nach dem Namen der amerikanischen Zuchtstätte, aus der diese Katzen stammten. Erst später und nur allmählich kamen dann Ragdolls direkt aus den USA zu uns, was bedeutet, dass die Anfangsjahre der Ragdollzucht in Deutschland stark vom englischen Typ geprägt waren, der sich vor allem im Fell, der Farbe, Ohren, aber auch im Knochenbau vom "amerikanischen Typ" unterscheidet, wobei letzterer - um es auf einen Punkt zu bringen - etwas "runder" und kompakter erscheint.
ie letzten Jahre über waren als Neu-Importe vorwiegend Ragdolls aus amerikanischen Linien gefragt. Auch wenn es also heute umgekehrt ist und eher der US-Typ überwiegt, hatten die "Engländer" stets ihre begeisterten Anhänger. Neuderdings scheint sogar wieder verstärktes Interesse an Katzen zu bestehen, die aus GB bzw. Ländern stammen, die ihre Ragdollzucht gleichfalls aus Quarantänegründen vorwiegend mit englischen Katzen aufgebaut haben, wie z.B. Schweden, Neuseeland oder Australien (wobei auch englische Züchter mittlerweile einige neue Katzen aus den USA eingeführt hatten, damit die Linien nicht zu eng werden). Ragdolls mit schon generationenlang in Deutschland gezüchteten Vorfahren sind sowieso meist ein Mix aus englischen und amerikanischen Linien, eine oft auffallend attraktive Kombination. Allerdings kommt es da natürlich schon mal vor, dass bei einem Jungtier im Wurf der eine oder andere Typ durchschlägt, hier muss man als Züchter eben in die gewünschte Richtung selektieren. Auf Ausstellungen war "englisch" oder "amerikanisch" nie ein Problem; solange die jeweilige Katze dem Standard entspricht, wird sie entsprechend bewertet.
 EP "Raggy's Chayene", geb. 1987 - eine typische Vertreterin des "Ragnarok-Typs" |
ber nicht nur im Typ, sondern auch in punkto Fellzeichnung (bei der Mitted- und Bicolour-Version natürlich ein besonders wichtiges Kriterium) hat sich über die Jahre viel getan. Man darf nicht vergessen, dass die Ragdollzucht selbst in den USA noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen steckte, als die Ragdoll bei uns langsam Fuß fasste. Wirklich exzellente Katzen waren eher selten und wurden dann verständlicherweise vom Züchter selbst behalten oder allenfalls an befreundete Züchter weitergegeben. Sofern man also das Glück hatte, im Zeitalter vor Internet und E-Mail überhaupt an eine Zuchtkatze aus dem Ausland zu kommen (Telefonate kosteten ein Vermögen, auf schriftliche Anfragen bekam man entweder keine oder erst nach Wochen oder Monaten eine Antwort), musste man nehmen, was einem überlassen wurde.
s war also gar nicht ungewöhnlich, dass Ragdolls mit Weißscheckung Farbflecke hatten oder überhaupt fehlgezeichnet waren, und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass die erste Bicolour aus deutscher Zucht mit weißen Beinen und nur noch einem kleinen dunklen Fleckchen am Hinterbein geradezu gefeiert wurde. "Pink Wizzard's Asia" war dann (neben Karin Hughes-Dentlers "Patriarca Ragakevin", Claudia Herdegens "Patriarca Rageileen" und meiner "Raggy's Chayene") auch eine der vier Bicolours, die auf der FIFe-Generalversammlung 1991 in Portugal vorgestellt wurden, wo über die Anerkennung der Rasse Ragdoll mit überwältigender Mehrheit positiv entschieden wurde.
 Ragdollkater "Tiridolls Tiger Heart", blue-bicolour |
u den auffallendsten Änderungen in der Rasse gehören sicherlich die so genannten "neuen Farben", d.h. Tabby und die Rot-Palette, die in kurzer Zeit viele begeisterte Fans gefunden haben und seit Januar 2005 nun auch in der FIFe anerkannt sind. Für die "alten Hasen" unter den Ragdollzüchtern war es manchmal nicht so leicht, sich mit den "andersfarbigen" Ragdolls anzufreunden, galt doch viele, viele Jahre das ungeschriebene Gesetz "Ragdolls gibt's nur in den vier Grundfarben Seal, Blue, Chocolate und Lilac" (wobei die letzten beiden Farben wieder ein anderes Thema sind...). Aber jede Rasse entwickelt sich weiter und zweifellos werden sich die neuen Farben zukünftig auch erfolgreich auf der Showbühne behaupten.
ereinzelt werden nun auch Ragdolls in "einfarbig" gezüchtet, in Züchterkreisen als "Solids" bezeichnet und bis dato noch in keinem Verein anerkannt. D.h. es sind keine Pointkatzen mit blauen Augen mehr, sondern ganz normale Katzenfarben mit ganz normaler Augenfarbe (gelb, grün...), aber ob das noch viel mit "Ragdoll" zu tun hat? Die Ragdoll war seit jeher als Pointkatze bekannt und die Rasse ist eigentlich ein Gesamtpaket aus Typ, Charakter, Größe, Fell *und* Farbe. Somit verliert die Rasse mit der Einfarbigkeit doch eines ihrer wesentlichsten Charakteristika, ähnlich als würde man die Ragdoll plötzlich in Kurzhaar züchten.
Katzen extra: Wie sieht es mit dem derzeitigen Zuchtstand der Ragdoll aus?
Renate Wald: Es ist ein echtes Vergnügen zu sehen, wie viele wirklich beeindruckend schöne, standardgerechte Ragdolls heute auf Ausstellungen gezeigt werden - und zwar nicht nur Importkatzen, sondern vor allem auch deutsche Nachzuchten. Die Ragdollzüchter hierzulande - eigentlich kann man sagen, weltweit - haben wirklich großartige Arbeit geleistet. Trotzdem ist die Ragdoll ja immer noch eine relativ junge Rasse und es gibt sicher noch das eine oder andere zu verbessern oder zu stabilisieren.
Katzen extra: Gibt es noch (oder schon wieder?) "Birma-Spuren" in den Raggys?
 Ragdollkater CH "Ciara's James Cameron", blue-mitted, geb. 1999 |
Renate Wald: Die Ragdoll stammt nicht von der Birma ab (nur von einem birma*ähnlichen* Kater, d.h. pointfarben, langhaarig und mit Weißscheckung. Zur Entstehungszeit der Ragdoll waren Birmas in den USA noch so gut wie unbekannt). Außerdem wurde streng darauf geachtet, dass auch später keine Birmaeinkreuzungen durchgeführt wurden, um zu unterstreichen, dass die Ragdoll eine eigenständige Rasse ist. Trotzdem kommt es gelegentlich vor, dass Ragdollkätzchen mit gewissen "Birma-Merkmalen" geboren werden, wie z.B. einer römischen Nase, Mitteds mit einem farbigen Kinn oder einer sporenartigen Zeichnung an den Hinterbeinen, genauso wie - so wie mir von einer namhaften Birmazüchterin bestätigt wurde - auch mal Birmakätzchen vorkommen, die in dem einen oder anderen Punkt Ragdolls ähneln (zu gerade Nase, weißes Kinn, Blesse auf der Nase oder Weiß am Bauch). Aber "nobody is perfect", solche Kätzchen sind ganz einfach bezaubernde Liebhabertiere, die nur dem jeweiligen Standard nicht ganz entsprechen.
 Ragdollkitten "Purriffic", 8 Wochen, geb. 2003 |
oweit mir bekannt, haben auch die "neuen Farben" der Ragdoll nichts mit der Birma zu tun und wurden, sofern eine Rassekatze für die Entstehung Pate stand, eher durch Perser (aktuelle Anmerkung R.W. : und wohl manchmal auch Maine Coon, solche Ohren sind unverwechselbar!!!) eingebracht. Allerdings gibt es in den USA seit einigen Jahren tatsächlich ein Zuchtprogramm Ragdoll - Birma, um Ragdolls in nachweislich Chocolate und Lilac zu züchten. Ob man die Einkreuzung im Allgemeinen und die Verwendung von Birmas im Besonderen gut findet, muss jeder für sich entscheiden. Mit diesen neuen Linien wird bereits vereinzelt in Europa gezüchtet, die Zeit wird zeigen, ob diese Einkreuzungen langfristig irgendwelche gravierenden Auswirkungen, z.B. auf die Vererbung der Weißscheckung, haben.
Katzen extra: Wie würden Sie einem Laien erklären, was er z.B. auf einer Ausstellung vor sich hat, woran er eine Birma von einer Ragdoll unterscheiden kann, ohne im Katalog nachgucken zu müssen?
 Ragdolllady "Fancyrags Jonah McKelsey", seal-mitted, zehn Monate - ein "moderner " US-Typ |
Renate Wald: Auf Ausstellungen wird man tatsächlich öfters nach dem Unterschied von Ragdoll und Birma gefragt. Am lebenden Exemplar kann man diese Unterschiede natürlich besonders gut erklören, zur Not tut's auch ein Foto. Ausstellungsbesucher, die sich mit Rassekatzen nicht oder nur wenig auskennen, hören dann meist (und mit dem Finger entsprechend auf die Katze(n) oder das Bild deutend) die folgende Erklärung von mir:
 Ragdollkitten "Ciara's Shiloh-Nioro", blue-colourpoint, 5 Wochen |
agdolls kommen in drei Versionen vor, nämlich ganz ohne Weiß (nennt man Colourpoint, Färbung ähnlich wie bei einer Siamkatze), mit ein bisschen Weiß (heißt Mitted und bedeutet aus dem Englischen übersetzt "behandschuht") und mit viel Weiß (= Bicolour, also "zweifarbig"). Bei der Birma gibt es dagegen nur eine Zeichnung und es ist eigentlich nur die Ragdoll Mitted, die der Birma auf dem ersten Blick ähnlich sieht. Dabei sind die weißen Handschuhe an den Vorderpfoten die einzige Gemeinsamkeit von Mitted-Ragdoll und Birma. Während die Birma auch an den Hinterpfoten nur weiße Handschuhe hat, die auf der Pfotenrückseite in einer weißen Spitze auslaufen, den so genannten "Sporen", muss die Mitted rundum weiße und höhere Stiefel haben. Die Mitted hat ein weißes Kinn und einen weißen Bauchstreifen, während dies bei der Birma unerwünscht ist. Manche Mitteds haben ausßerdem eine kleine weiße Blesse auf Stirn und/oder Nase, wäre bei der Birma ebenfalls ein Fehler. Ragdolls haben meist eine etwas dunklere Körperfarbe als die Birmas.
 Ragdollkater EC "Aaron v.d. Waldelben", blue-bicolour, geb. 1992 |
BER: Es ist nicht nur die Zeichnung unterschiedlich, sonst könnte man ja sagen, die Ragdoll, egal ob Mitted, Colourpoint oder Bicolour, sei nur eine anders gezeichnete Birma, sondern auch der Körperbau. Birmas wirken auf den ersten Blick runder als die Ragdoll, mit einer runderen Stirn (flache Stelle bei der Ragdoll), volleren Wangen (streift man bei der Ragdoll das Fell aus dem Gesicht, sieht man, dass ihr Kopf eine leichte Keilform aufweist), runderen Augen (Ragdoll oval), kleineren Ohren mit runderer Ohrenspitze (Ragdoll mittelgroß). Die Birmanase ist ein bisschen "römisch" gebogen (wie ein sanfter Hügel), während die Ragdollnase eher einer Sprungschanze beim Skispringen ähnelt (leichter Bogen nach innen). Auch sind Birmas in der Regel etwas kurzbeiniger als Ragdolls, überhaupt ist die Ragdoll im Idealfall eine große, kräftige Katze und damit größer als eine Birma.
um Schluss erwähne ich dann immer noch, dass auch die Vererbung der Ragdoll anders ist. D.h. verpaart man zwei Mitted-Ragdolls miteinander, können alle drei Ragdollversionen entstehen, also nicht nur Mitted, sondern auch Colourpoint und Bicolour. Verpaart man dagegen zwei Birmas miteinander, bekommt man wieder die Birmazeichnung.
Katzen extra: Was gibt es Neues bei den Raggys, abgesehen von den neuen Farben?
 Ragdollkater "Azzedine Arabian Knight", seal-bicolour |
Renate Wald: Das Highlight der Ragdollszene in der letzten Zeit war sicher der Internationale Ragdoll-Congress, der seit 1998 alle zwei Jahre im Rahmen einer TICA-Ausstellung abgehalten wird. 2004 fand er nun erstmals außerhalb der USA in Europa, in Rüsselsheim bei Frankfurt, statt. Es waren über 80 Ragdolls aus den verschiedensten Ländern ausgestellt - eine gigantische, auf deutschen Ausstellungen noch nie zuvor erreichte Zahl! - darunter natürlich auch viele Katzen in den neuen Farben, die in der TICA ja schon lange anerkannt sind. Diese Ausstellung bot daher einen prima Überblick des derzeitigen Zuchtgeschehens und es war eine tolle Gelegenheit, viele Ragdollzüchter und -freunde aus anderen Vereinen und Ländern persönlich kennen zu lernen.
ie Ragdoll-Sondeshow am 7. Mai 2005 in Nürnberg (in der Arena, Nähe Messegelände) ist das nächste "Ragdoll-Ereignis", das sich kein Ragdoll-Fan entgehen lassen sollte. Ausrichter dieser Ausstellung ist der 1. DEKZV, diese wird wiederum unter dem Motto "German Cat Open" laufen, d.h. Katzen aus nicht-FIFe-Vereinen können in ihren eigenen Klassen starten und müssen nicht in der "Offenen Klasse" beginnen. Sicher für viele Ragdollzüchter und -besitzer aus anderen Vereinen ein zusätzlicher Anreiz, in Nürnberg auszustellen. Auch für die Ragdolls in den neuen Farben wird's diesmal besonders interessant, können sie doch nach der Anerkennung erstmals auf einer FIFe-Sondershow vollkommen gleichberechtigt mit allen anderen Ragdolls um Titel und Auszeichnungen konkurrieren.
Katzen extra: Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Rasse oder würden Sie den Züchtern (oder Neulingen) gern etwas ans Herz legen?
 Ragdollkaterchen "Ciara's Schnurrie McRag", blue-mitted, vier Wochen |
Renate Wald: Bis jetzt hat sich die Ragdoll trotz der Typ-Bandbreite "Englisch" oder "Amerikanisch" bzw. bestimmte Linien, die gerade "in" sind, stets ihr rassetypisches Aussehen bewahrt. Hier würde ich mir sehr wünschen, dass alle Züchter an einem Strang ziehen, damit dies auch in Zukunft so bleibt. So scheinen manche Zuchttendenzen zuweilen schon etwas in Richtung "Perser" zu gehen, d.h. zu langes Fell, zu kurzes Gesicht, etc. Wie ich schon erwähnt habe, entwickelt sich jede Rasse weiter. Das ist auch gut so, sollte meiner Ansicht aber eher auf "Verbesserung" beschränkt bleiben. Es wäre unendlich schade, wenn die Ragdoll irgendwann so große Entwicklungsunterschiede/Extreme zu verzeichnen hätte, wie diverse andere Rassen vor ihr, dass sogar der Standard umgeschrieben werden muss.
Katzen extra: Vielen herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch!