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Ragdolls mit FIFe-Weltsiegertitel
- Raggy's Chayene, WW 1994

 

Leider war mein allererster Versuch, mit Chayene an einer FIFe-Weltausstellung teilzunehmen, im Jahr 1990 kläglich gescheitert. Zu dieser Zeit war die Rasse Ragdoll in der FIFe noch nicht anerkannt, aber ich dachte, so ein großartiges Ereignis wie die erste FIFe-Weltausstellung überhaupt wäre eine tolle Gelegenheit, die Rasse noch ein wenig bekannter zu machen. Tatsächlich erhielt ich eine Anmeldebestätigung für Chayene, kurz vor der Ausstellung wurden wir allerdings wieder ausgeladen, mit der Begründung, leider hätte man sich geirrt, auf der Weltausstellung könnten nur anerkannte Rassen und Farben ausgestellt werden. Erstaunlicherweise waren auf dieser Ausstellung aber trotzdem 2 Exemplare einer nicht anerkannten Farbe anwesend... soviel zum "kleinen Unterschied" ;-). Die nächste Gelegenheit ergab sich schließlich vier Jahre später.


Mittlerweile hatten zumindest die Bicolour-Ragdolls in der FIFe CAC-Status, d.h., sie konnten Zertifikate und andere Ausstellungsehren erringen. Chayene hatte seit der Rasseanerkennung 1992 eine wunderbare, sehr erfolgreiche Ausstellungskarriere hinter sich, trotzdem hätte ich nie gedacht, dass sie auf der Weltausstellung in Genf auch nur die allerkleinste Chance haben könnte. Mir ging es nur um den Spaß dabei zu sein, außerdem habe ich manchmal das Bedürfnis, etwas "abenteuerliches" zu unternehmen :-). Last but not least war es eine tolle Gelegenheit, eine sehr nette Genfer Ragdollzüchterin zu besuchen. Also ab in die Schweiz, auf halbem Weg mit einer Übernachtungs-Zwischenstation bei meiner Freundin Lilo im Schwarzwald, die ihren blue-bicolour Ragdollkater gemeldet hatte.


Wir reisten bereits einen Tag vor der Ausstellung an, somit hatten wir genügend Zeit für unseren Besuch bei der Züchterin. Von Genf selbst haben wir nur wenig mitbekommen, aber das ist man als durchschnittlicher Aussteller ja bereits gewöhnt. Man war zwar schon "überall", aber bis auf die Autobahnabfahrt, das Ausstellungshotel und die Halle hat man nicht viel von der Umgebung gesehen...


Am Morgen des ersten Ausstellungstages hieß es erst mal "warten". Zahlreiche Katzen, die mit ihren Herrchen und Frauchen bereits am Vortag angekommen waren und in dem gleich neben dem Palexpo-Gelände gelegenen Messehotel genächtigt hatten, hatten ein zotteliges Fell und rote Augen, die von den anwesenden Tierärzten argwöhnisch untersucht wurden. Letztendlich stellte sich heraus, dass der Teppichboden in den meisten Hotelzimmern so aufgeladen war, dass die armen Katzen ständig einen kleinen elektrischen Schlag bekamen, wenn sie sich bewegten (wahrscheinlich haben die Standbetreiber in der Ausstellungshalle, die Antistatikspray verkauften, an diesem Morgen das Geschäft ihres Lebens gemacht!). Die Einlass- und Tierarztkontrolle ging allgemein recht schleppend voran, deshalb konnte das Richten auch erst mit reichlich Verspätung begonnen werden.


Von der Eröffnungszeremonie und dem begleitenden Show-Programm habe ich leider nicht allzuviel gesehen. Ich lasse meine Katzen auf Ausstellungen grundsätzlich nur ungern alleine, und die Ragdollkäfige standen doch ziemlich weit entfernt am entgegengesetzten Ende der Messehalle, ohne Blick auf die Bühne. Die Halle war riesig, mit viel Platz für die Aussteller. Die Käfige waren in großzügigen Ovalen angeordnet, mit Tisch und Stühlen in der Mitte. Und als besonderer Service für die Besucher war an der Vorderseite jedes Käfigs ein Namensschild der jeweiligen Katze angebracht. Was die Hallendekoration betrifft, so fielen hier vor allem die verschiedenen Länder-Fahnen an den Wänden auf.


Lt. Katalog waren insgesamt 895 Katzen gemeldet, incl. 9 Ragdolls, eine davon abwesend. Erfreulicherweise hatte man für Genf problemlos die Meldung nicht anerkannter Farben/Rassen akzeptiert, und so wurde neben 7 Bicolour Ragdolls (5 seal-bicolours und 2 blue-bicolours) auch 1 noch nicht anerkannte blue-mitted Ragdoll ausgestellt. Bis auf uns zwei deutsche Ragdollaussteller (Lilo und ich) stammten die anderen "Ragdoller" alle aus der Schweiz.


er erste Ausstellungstag verlief recht vielversprechend, insgesamt 4 Ragdolls waren nominiert für die Best in Show am nächsten Tag: International Champion Xero du Masque Bleu, blue-bicolour Kater, Grand Champion Xenos The New World Cat, seal-bicolour Kater, Copyright von den Waldelben, seal-bicolour Kater 6 - 10 Monate, und meine Euro Premior Chayene (DRU) - so ihr registrierter Name in der FIFe (damals hat man beim Umschreiben des Stammbaums in die FIFe noch den nicht-FIFe Zwingernamen weggelassen und dafür den "Heimatverein" in Klammern angegeben), seal-bicolour Kastrat weiblich. An dieser Stelle gleich mal ein ganz herzliches Dankeschön an Chayenes Richterin, Satu Hämaläinen aus Finnland. Nicht nur, weil Chayene in Genf von ihr für die Best in Show nominiert wurde :-), sondern sie hat in der Vergangenheit auch schon einige meiner anderen Katzen gerichtet, und ich schätze ihren sanften Umgang mit den Katzen und ihre kompetenten Richterberichte sehr!


Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel stießen auch befreundete Aussteller anderer Rassen zu unserer "Ragdoll-Runde", und wir hatten viel Spaß miteinander. Allerdings stellte die Essensbestellung wie schon am Vortag eine große Herausforderung an uns vorwiegend deutsch- oder allenfalls noch englischsprachige Katzenleute. Die Kellner weigerten sich schlicht und ergreifend, etwas anderes als Französisch zu sprechen, für ein High-Class Hotel gleich neben der Messe eigentlich kaum vorstellbar. Vielleicht hatten wir beim Einchecken den Kofferträgern zu wenig Trinkgeld zugesteckt oder waren aus sonstigen Gründen in Ungnade gefallen, wer weiß.


Wenn Katzenleute zusammenhocken, wird es meist recht spät, diesmal war die Nacht jedoch noch kürzer als üblich, wurde doch ausgerechnet an diesem Wochenende auf Sommerzeit umgestellt! Zum Glück hatte das Hotel in den Aufzügen unübersehbare Hinweisplakate aufgehängt, sonst wären wir am nächsten Morgen garantiert zu spät in der Halle aufgetaucht - was aber vielleicht gar nicht allzu sehr aufgefallen wäre.


Das Foto aus dem edelkatze-Artikel (1994)

Die Best in Show begann nämlich erst mit zweistündiger Verspätung (deshalb wurden zum Schluss bereits im Hintergrund die Käfige abgebaut und aufgeladen, während die Kurzhaar- und Siam-BIS noch lief...). Als die Semilanghaarkatzen an der Reihe waren, ging allerdings noch alles seinen normalen Lauf. Die Konkurrenz war ziemlich groß, und Chayene war die einzige Ragdoll, die das Glück hatte, sich gegen die anderen Rassen behaupten zu können. Allerdings gab es dabei eine kleine Panne: Ihr Name wurde bereits nach der Wahl des besten Semilanghaarkastraten weiblich genannt, obwohl sie noch gegen den besten Semilanghaarkastraten männlich, ein wirklich beeindruckend schöner Maine Coon, antreten musste. Letztendlich hat sich der Maine Coon durchgesetzt, aber das war mir ziemlich egal, war es doch schon überwältigend, dass Chayene bei all diesen tollen Katzen überhaupt auf der Bühne gewonnen hatte. Etwas, das ich mir vorher nicht mal in meinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können!


Trotzdem kaum zu glauben, aber wahr: es dauerte Wochen, bis wir Ragdoll-Leute realisierten, dass es mit diesem Bühnensieg gleichzeitig einen allerersten Ragdoll-Weltsieger gab! Und das auch erst dank der deutschen Richterin Frau Waller, die in der "edelkatze", dem Vereinsmagazin des 1. DEKZVs, über die Ausstellung in Genf berichtete und Chayene als einzigen deutschen Weltsieger für dieses Jahr vorstellte. Bis dahin waren wir alle der Meinung gewesen, dass der Weltsiegertitel nur jeweils den Best in Show-Gewinnern, in meinem Fall also dem Maine Coon-Kater, zugestanden wird, und die Best opposite Sex-Katzen eben nur das waren - Best opposite Sex.


Im Gegensatz zu den "modernen" Weltsiegerausstellungen heutzutage gab es keine Gewinnerhymnen auf der Bühne, keine Krönchen oder Schärpen für die Katzen :-) oder spezielle Foto-Termine für die Sieger, die auf dieses besondere Ereignis hingewiesen hätten. Soweit mir bekannt, stammt das einzige Foto von mir und Chayene von Frau Sattler, Richterin und Vorsitzende des 1. DEKZV, die in Genf zum Richtergremium gehörte und auf der Bühne ihre Kamera mit dabei hatte. Dieses Foto erschien im Artikel der edelkatze, ich habe jedoch leider keinen eigenen Abzug davon.


Als Weltsiegerpokal gab es in Genf einen kleinen, schweren Zinnkrug, außerdem wurde mir eine große Schleife vom Schweizer Verein sowie als Sonderpreis eine liebevoll selbstgemachte Rosette des polnischen Katzenklubs überreicht. Die Ausstellungs-Zertifikate wurden an einem Tisch gleich neben der Bühne abgestempelt, aber zumindest in meinem Fall bekam Chayene nur einen Stempel "Presente au Best - Best opp. Sex", also keine Spur eines "Weltsiegertitels". Halt, nicht ganz richtig! Denn die Gravur des Zinnkruges lautete: "Cats' 94 Genève Champion du Monde, Neutres Best opp. Sex". Wie bereits oben erwähnt, spreche weder ich noch meine Ragdoll-Mitaussteller französisch, sonst wäre uns vielleicht beim Lesen der Inschrift aufgefallen, dass Chayene gerade den Weltsiegertitel gewonnen hatte :-).


Alles in allem ist der Weltsiegertitel zwar wirklich toll, aber nicht sooo wichtig für mich (tatsächlich musste mich erst eine finnische Ragdollzüchterin darauf hinweisen, auf meiner Seite "Ausstellungserfolge" doch auch Chayenes Weltsiegertitel zu erwähnen, den ich bei der Zusammenstellung ihrer Show-Ergebnisse glatt vergessen hatte...), wahrscheinlich aufgrund der Umstände, wie Chayene den Titel gewonnen hatte, oder besser, wie lange es dauerte, bis ich mitbekam, dass ihn Chayene gewonnen hatte :-).


Außerdem gibt es nun nicht mal einen Hinweis in den offiziellen Geschichtsbüchern der FIFe - letzthin hatte ich die Gelegenheit, in dem FIFe Jubiläumsbuch zu blättern (FIFE 50 Years Jubilee Book), und siehe da, dort wo eigentlich Chayenes Name prangen sollte, ist nur eine blanke Stelle...    einfach kein Glück mit ihrem WW-Titel :-))).


Was mir allerdings von dieser Ausstellung im Gedächtnis geblieben ist, und das ich sicher nie vergessen werde, ist folgende rührende Geschichte: Während der Ausstellung kam eine Schweizerin mit ihrer Familie zu den Ragdollkäfigen und zeigte der ersten Ausstellerin in der Reihe ein Bildchen, das sie aus einem Katzenmagazin ausgeschnitten hatte (siehe Foto ganz oben). Es war kein Katzenname unter dem Foto angegeben, nur eine Bildunterschrift, die besagte, dass es sich dabei um eine Ragdoll handeln würde. Nun, die abgebildete Katze war Chayene, und nachdem sie damals unter den Ragdoll-Leuten recht bekannt war, deutete die Ausstellerin sofort in Richtung Chayenes Käfig. Sie können sich kaum vorstellen, wie aufgeregt und glücklich die Dame war, dass sie nun ihrer Traumkatze tatsächlich live begegnet war! Sie fragte mich, ob sie Chayene hochnehmen dürfte, und ihre Familie fotografierte sie mindestens ein dutzend Mal mit Chayene in ihren Armen.


Dass die Ausstellungsbesucherin Chayene auf dieser Ausstellung überhaupt gefunden hatte, war wirklich ein glücklicher Zufall. Wegen der großen Entfernung stelle ich nur sehr selten in der Schweiz aus (obwohl die Ausstellungen dort immer viel Spaß machen!), und diese Weltsiegerausstellung war Chayenes allerletzte Show, da sie kurz vorher ihren Europatitel erhalten hatte, sie bereits 7 Jahre alt war und es somit höchste Zeit für sie wurde, ihren Ruhestand zu genießen. Jedenfalls wünschte ich mir, dass es immer so einfach wäre, Leute glücklich zu machen...


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Text, Fotos und Gestaltung von Renate Wald, außer anders angegeben. Illustrationen von L.allas C.ountrystyle und R. Wald, sowie C.ountry Patch C.ollections. Alle Ragdoll-Illustrationen, Texte, usw. wurden jeweils in stunden-, teilweise tagelanger Arbeit speziell für diese Website gefertigt, andere Illustrationen z.T. käuflich erworben; die Veröffentlichungsrechte der Fotos liegen bei den jeweiligen Fotografen. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass es nicht erlaubt ist, Bilder oder andere Elemente dieser Website ohne ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung herunterzuladen und auf anderen Websites, in Chatrooms, Diskussionsforen oder ähnlichem zu verwenden/zu verbreiten.