liebe Kätzchen für liebe Menschen

 


© Renate Wald, Ciara's Ragdolls


Verhaltensprobleme bei Katzen -

Die Zusammengewöhnung von zwei oder mehr Katzen & "Wildes / aggressives / beißendes Kätzchen"


Bitte lesen Sie auch das Vorwort Verhaltensprobleme bei Katzen, falls Sie durch einen Link oder Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein sollten.


Aufgrund dieses Artikels bekomme ich regelmäßig Mails oder Anrufe, in denen mir Katzenbesitzer ihre ganz speziellen Zusammengewöhnungs- oder auch andere Verhaltensprobleme mit ihren schnurrigen Lieblingen schildern und um Lösungsvorschläge bitten. Ich freue mich sehr über Ihr Vertrauen und verstehe nur zu gut, dass man in einer solchen Situation für jede Hilfe dankbar ist. Aber haben Sie bitte Verständnis, dass ich - wie schon an anderen Stellen erwähnt - KEINE gelernte Verhaltenstherapeutin bin, sondern nur eine private Katzenzüchterin und es mir inzwischen schon allein aus zeitlichen Gründen unmöglich ist, mich in weitere mir völlig unbekannte Fälle einzudenken und individuell darauf einzugehen - auch nicht ausnahmsweise!

(NACHTRAG: Nachdem dieser Hinweis anscheinend geflissentlich ignoriert wird und trotzdem *s t ä n d i g* persönliche Problemberichte eingehen, bleibt mir leider nichts anderes übrig, als hiermit bekanntzugeben, dass solche Anfragen ab sofort kategorisch weggeklickt werden, entsprechende Mails sind daher sinnlos).


Falls Sie die Infos auf dieser Seite nicht weiterbringen, fragen Sie - bei einem Rassekätzchen - bitte den Züchter Ihrer Katze, und/oder kontaktieren Sie einen Tierpsychologen oder Tierarzt, der Ihnen sicher weiterhelfen kann. Und auch in Katzenforen bekommt man ggf. viele hilfreiche Tipps.

Vielen Dank und alles Gute für Sie und Ihre Katze(n)


 



Vielleicht sind die nachfolgenden Infos auch für andere Katzenhalter interessant und nützlich. Mit Erlaubnis der Katzenbesitzer möchte ich deshalb auf dieser Seite drei verschiedene E-Mail - Schriftwechsel veröffentlichen, natürlich ohne Namensnennung (wobei meine einzelnen Antworten teilweise auf die vorhergehenden Fälle aufbauen, auch habe ich der Vollständigkeit halber nachträglich noch einige zusätzliche Hinweise an Stellen eingefügt, wo es gerade zum Thema passte, lesen Sie daher ggf. alle geschilderten Fälle). Übrigens: auch wenn es hier evtl. so aussehen mag - ich sitze *nicht* 24 Stunden vor dem PC... :-)






~.~   SEHR  WICHTIG   ~.~

Aus aktuellem Anlass möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich davor warnen, einander unbekannte Katzen von Angesicht zu Angesicht vorzustellen!!! - egal ob vom Besitzer gehalten oder einer/beide in Transportkörben/-käfigen gesperrt.

In diesem speziellen Fall handelte es sich um eine liebe Wohnungskatze (Einzeltier), die schon mehrere Jahre problemlos mit ihrer Familie zusammenlebte, bis man eine Urlaubspflege auf Gegenseitigkeit suchte. "Damit sich die Katzen schon mal vorher kennenlernen können", wurde die andere Katze in die Wohnung dieser Katze verbracht ("rücksichtslos eindringender Feind im eigenen Revier!!!"), beide nun auf den Arm der Besitzer genommen und zum "gegenseitigen Beschnuppern" Nase an Nase gehalten. Mit übelsten Folgen!

Beide Tiere waren über diesen zwangsweisen Bruch der ungeschriebenen Katzengesetze so entsetzt, dass sie bei ihrem Flucht-/Verteidigungsversuch ihre Besitzer so schlimm verletzten, dass sogar umgehende ärztliche Behandlung notwendig war. Selbst Wochen später hatte speziell die Katze ihren Schock nicht überwunden, in deren Zuhause dieser Vorfall geschehen war. Ihre Besitzer wurden bereits beim ersten Anblick geradezu angefallen, niemand traute sich mehr, das Tier anzufassen, das schließlich schwersten Herzens buchstäblich eingefangen und im Tierheim abgegeben werden musste - in der Hoffnung, dass sie dort - getrennt von allem, das mit dem einschneidenden Schockerlebnis in Verbindung gebracht werden könnte - ihre Panik überwinden kann.

Offenbar hat diese Strategie gewirkt, denn Monate später habe ich in einer Tageszeitung eine Vermittlungsanzeige des Tierheims gelesen, was nur bedeuten kann, dass man die Katze auch wieder als vermittelbar ansah. Wenn dem so ist, hatte die Katze nochmal unsagbares Glück, und ich wünsche ihr von Herzen, dass sie wieder als innig geliebte, problemlose Familienkatze leben kann.






- 1. Fall: "Wildes Kätzchen",die Zusammengewöhnung von zwei Jungtieren, und die Frage, sollen wir züchten?


Sonntag, 19. November 2006, 20:07

Betreff: Bitte um Hilfestellung.


Hallo.

Ich hoffe, es ist Ihnen Recht, dass ich sie einfach anschreibe, aber Ihre Seite schien mir wirklich sehr kompetent und wirklich freundlich und nett gestaltet. Ein grosses Lob an dieser Stelle!!

Ich bzw. wir (mein Mann, unsere Tochter 5, und ich) sind seit 4 Wochen stolze Katzenmamas von einem nun 15 Wochen alten Ragdoll-Mädchens. Es ist unser 1. Kätzchen und wir sind etwas verunsichert, ob alles o.k. ist. Das Kätzchen spielt viel, aber immer öfter gerät das Spiel außer Kontrolle, ohne das jemand mit ihr spielt jagt sie duch das ganze Haus in einem Affentempo, mit angelegten Ohren, das einem Angst und bange wird. Sie faucht nicht, aber sie springt uns dann aus dem Hinterhalt an, das wir bald einen Herzinfarkt bekommen! Ist das ein normales Kätzchenspiel?? Es ist dann auch ausgeschlossen sich ihr zu nähern, sie springt und fährt Krallen und Zähne aus, sie sieht dann panisch aus, als ob sie Angst hätte! Aber wovor nur ? Sie ist nachts alleine unten im Haus, wenn wir dann am Morgen die Türe aufstellen fängt das gejage an .... Ansonsten ist sie o.k., sie frißt gut, geht alleine auf Klo (immer) und sieht gesund und putzig aus.

Ich danke für Ihre Hilfe.

Liebe Grüße

XYZ aus ABC


 

Sonntag, 19. November 2006, 21:00

Betreff: Re: Bitte um Hilfestellung.


Hallo Frau XYZ,

so wie Sie es schildern, scheint mir, dass Ihr Kätzchen einsam/unausgelastet ist. Versetzen Sie sich mal in die Kleine hinein, die wahrscheinlich bis vor kurzem mit ihren anderen Geschwistern nach Herzenslust spielen, toben und kuscheln konnte. Plötzlich ist das vorbei, ich nehme ganz einfach mal an Ihr eigener Tagesablauf ist eher ruhig, Sie spielen zwar mit der Kleinen, aber man hat ja doch nicht den ganzen Tag Zeit. Außerdem ist sie nachts auch noch weggesperrt, was vielleicht sogar gewisse Ängste auslöst, mit Sicherheit aber Einsamkeit. Für ein Katzenkind, das im Kreise seiner Katzenfamilie aufgewachsen ist, ist sowas wie eine schlimme Strafe. Da ist erst mal großer Übermut und Freude angesagt, wenn sie dann morgens endlich wieder Kontakt mit ihren Menschen hat, was aber im Überschwang so ausartet, dass es wie Aggressionen auf uns wirken kann (und manchmal schlägt so ein Verhalten auch tatsächlich langfristig in echte Aggressionen um, wenn man nicht entsprechend auf das Kätzchen eingeht).

Als erstes würde ich Ihnen empfehlen, die Kleine nachts mit ins Schlafzimmer zu lassen (es muss natürlich weiterhin alles zugänglich sein, d.h. Futter, Wasser, Kistchen). Es dauert vielleicht etwas, bis sie gelernt hat, dass nach dem Licht ausmachen Ruhe sein soll (vorher ausgiebig mit ihr spielen, das Licht wirklich erst ausmachen, bis sie sich selbst zur Ruhe gelegt hat - evtl. vorher selbst noch ein bisschen im Bett lesen, bis es so weit ist, ab dann keinesfalls mehr auf irgendwelche Spiel- oder Kuschelaufforderungen reagieren).

Außerdem sollten Sie überlegen ob es Ihnen nicht möglich ist, noch ein zweites Kätzchen als Spielgefährten aufzunehmen. Die "wilden Rennen" sind Versuche, angestaute Energien abzulassen. Die Kleine meint es nicht böse, aber sie kann einfach nicht anders. Konnten Sie bei Ihrem Züchter mal den ganzen Wurf beobachten? Dann haben Sie sicher gesehen, wie es dort manchmal zur Sache geht. Wobei Kätzchen nicht immer beschäftigt werden müssen, oft reicht schon das Gefühl, "da ist noch jemand, mit dem ich spielen oder kuscheln könnte, wenn meine Menschen mal keine Zeit für mich haben". Ich denke wirklich, ein zweites passendes Kätzchen könnte Wunder wirken. Und ich würde auch gar nicht mehr allzulange damit warten, denn haben sich mal irgendwelche Unarten festgesetzt ("Menschen-erschrecken" macht Spaß, denn selbst eine negative Reaktion ist besser als gar nicht beachtet werden...), ist es schwierig sie wieder wegzubekommen.

Sprechen Sie doch mal mit Ihrem Züchter über Ihr Problem, was er/sie dazu meint.

Viel Erfolg und ansonsten weiterhin viel Freude mit Ihrem Kätzchen.

Herzliche Grüße von den Ciara's Ragdolls,

Renate Wald
http://www.ciara.de


 

Samstag, 25. November 2006, 11:32

Betreff: Das neue Kätzchen ist da, aber.....


Hallo! Entschuldigen Sie das ich sie nochmals anschreibe. Wir haben uns kurzerhand ein 2. Ragdoll-Kätzchen auch 3 Monate alt gekauft. Diesmal einen Kater. Im Moment macht es nicht den Anschein, als ob die Beiden jemals freundlich hier miteinander leben können. Die Kätzin (die zuerst hier war) faucht und knurrt und springt das Katerchen an, läßt ihn nicht auf Klo gehen (!) und jagt ihn über Tisch und Bank. Der Kater hat schon einmal ins Schlafkörbchen gemacht und hat, so glaube ich, vor lauter Streß schon Durchfall, zumindest richt der Kot ganz unangenehmt und klebt an der Schaufel fest. WAS SOLLEN WIR TUN??



 

Samstag, 25. November 2006, 13:58

Betreff: Re: Das neue Kätzchen ist da, aber.....


Hallo Frau XYZ,

nur keine Panik, diese Reaktion ist ganz normal. Immerhin war Ihre Katze nun schon einige Zeit "Alleinherrscherin" (diese Gefühl baut sich oft schon nach nur ein paar Tagen im neuen Zuhause auf), und auch wenn sie sicher bald feststellen wird, dass ein neuer Spielgefährten toll ist, ist sie im Moment verständlicherweise stinkesauer über den vermeintlichen Eindringling. Offensichtlich hat Ihnen der oder die Züchter Ihrer beiden Katzen keine Anleitungen zur möglichst "schonenden" Zusammenführung gegeben? Schade.

Wenn sich die beiden schon mal extrem unangenehm begegnet sind (sowas sollte man nach Möglichkeit von vornherein verhindern) ist es natürlich etwas schwieriger, Ruhe einkehren zu lassen. Immerhin musste das Katerchen nun die Erfahrung machen, dass die "Andere" direkt angreift bzw. nachjagt. Falls er nicht schon zu sehr eingeschüchtert ist, wird er vielleicht denken "um mich zu schützen, muss ich mich gleich verteidigen, wenn sie das nächste Mal in meine Nähe kommt" - was dazu führt, dass auch er von sich aus sofort abwehrend faucht und knurrt, was wiederum Ihre Katze anstachelt. Und ihre Kleine hatte das Erfolgserlebnis "hach, ich habe es geschafft, den Eindringling anzuspringen, der erste Schritt zur Vertreibung - das ermutigt mich, also weiter so" - ein Teufelskreis, der unbedingt unterbrochen werden muss.

Bitte achten Sie darauf, dass es zu keinen "Hand/Pfotengreiflichkeiten" mehr kommt. Aggressives Anspringen etc. darf *keinesfalls* mehr vorkommen. D.h. wenn Sie beobachten, dass Ihre Katze dem Kleinen zu nahe kommt (ganz gefährlich sind Begegnungen von Angesicht zu Angesicht), dann sich unbedingt mit ruhigen Bewegungen dazwischenstellen oder mit der flachen Hand in einigem Abstand dazwischengehen, dabei immer beruhigend und lobend mit den Katzen sprechen. Für Beschnupperungen dieser Art ist es noch viel zu früh.

Falls Ihre Katze überhaupt nicht aufhört bzw. abgehalten werden kann, den Kater zu jagen, hilft es vielleicht, sie zum Abregen ein oder zwei Stunden im Tragekorb eingesperrt zu lassen. Aber so, dass sie den Kleinen anschauen kann bzw. muss! (in der Zeit natürlich keine zusätzlichen Eifesüchteleien wecken, indem vor ihr mit dem Kater gespielt oder geschmust wird, und auch darauf achten, dass der Kater dem Korb nicht zu nahe kommt und damit ggf. provoziert). Aber erst mal probieren, ob es nicht auch ohne einsperren geht.

Dann sollten Sie unbedingt mindestens ein weiteres Klo aufstellen, und zwar da wo sich der Kater im Moment am ehesten aufhält. Alle Klos ohne Deckel, damit die Katzen die Klos von allen Seiten betreten und wieder verlassen können. Setzen Sie den Neuen zur Sicherheit doch alle paar Stunden mal ins Streu und ermutigen Sie ihn mit liebevollem und beruhigendem Zureden (aber nicht zwingen, wenn er nicht drinbleiben möchte), wenn er dann wirklich macht, loben, loben, loben. Er hat sicher nur ins Körbchen gemacht, weil er Angst vor Ihrer Katze hat und sich nicht traut, das Körbchen zu verlassen, selbst das Klo zu betreten bzw. an Ihrer Katze allein vorbeizugehen. Der Durchfall/weiche Kot kann durchaus durch Stress aufgetreten sein, evtl. auch i.V.m. Futterwechsel? Geben Sie ihm ein paar Tage 1 - 2 x tägl. ein bisschen (Fingerkuppe voll) zimmerwarmen Naturjoghurt am besten direkt ins Mäulchen oder ins Futter, das ist gut für die Darmflora.

Beim Futter u. Wasser genau wie beim Klo für eine 2., leicht zugängliche Stelle sorgen. Schimpfen oder bestrafen Sie Ihre Erstkatze *niemals*, auch wenn Sie im Moment nicht verstehen können, warum sie sich überhaupt so aufregt (Schimpfen oder Strafen ist bei der Zusammengewöhnung von Katzen in jeglicher Situation fehl am Platze). Sie *hat* die älteren Rechte und wäre nur noch mehr sauer auf den Neuen, wenn sie für ihre Reaktion auch noch von Ihnen Ärger bekäme. Fassen Sie sie auch nicht unbedingt an, wenn sie zu verstehen gibt, dass sie das nicht möchte (oft reagieren Katzen in einer solchen Stress-Situation auch noch abwehrend oder sogar aggressiv gegenüber ihren Besitzern, die dann natürlich entsetzt sind und sich Vorwürfe machen, was sie ihrem sonst so sanften Liebling mit dem neuen Kätzchen eigentlich angetan haben. Aber auch das ist normal und vergeht wieder). Lieber öfter mal ruhig mit ihr sprechen, ihr einfach mal "in lobendem Ton" erzählen, was für eine brave Katze sie doch eigentlich wäre (erwähnen Sie da öfter mal ihren Namen) und was der Kleine (Name) doch für ein tolles Brüderchen ist. Auch wenn Sie extra füttern oder mal vom Einkaufen kommen, Ihre Katze sollte immer zuerst beachtet werden. Natürlich braucht auch das Katerchen Zuwendung und Aufmunterung, für ihn ist es im Moment schon extrem stressig, 1. von der Mutter und den Geschwistern weg, und dann 2. auch noch bösen Ärger im neuen Zuhause zu haben... Aber trösten Sie ihn möglichst unbemerkt von Ihrer Katze bzw. wenigstens nicht sehr auffällig - oder am besten die beiden gleichzeitig mit liebevollen Worten. Trotzdem, drängen Sie sich nie auf, lassen Sie den beiden auch Zeit zur Ruhe.

Vielleicht schaffen Sie es heute noch, sich in einer guten Apotheke Chamomilla D 200 oder zumindest D 30 Globuli (die homöopathische Form der beruhigenden Kamille zu besorgen), beiden 1x tägl. 5 Globuli direkt ins Mäulchen, trägt sicher auch zum schnelleren Frieden bei. Gelegentlich werden auch Pheromone wie Feliway oder Felifriend empfohlen, um den Frieden im Katzenhaushalt zu unterstützen, damit habe ich selbst keine Erfahrung, aber einen Versuch kann es wert sein.

Bitte vermitteln Sie auch Ihrer Tochter, dass sie die beiden Katzen im Moment unbedingt in Ruhe lassen soll, auch wenn dies natürlich im Moment enttäuschend ist. Aber die zwei haben derzeit etwas anderes im Kopf und sollten sich ja erst mal miteinander anfreunden. Umso schöner ist es dann, später zwei Katzen zum Spielen und Kuscheln zu haben.

Wenn mal ein bissche Ruhe eingekehrt ist und die zwei irgendwo schlafen (irgendwann ist man vom Fauchen und Knurren, ewig den anderen beobachten ja auch erschöpft), ist das schon mal ganz gut. Nach einem Nickerchen sieht die Sache vielleicht schon nicht mehr ganz so schlimm aus.

Sobald einmal die echte Agression verschwunden ist (dauert vielleicht ein paar Tage), die zwei ggf. auch schon mal im Abstand von 2 oder 3 m entfernt voneinander sitzen ohne sich "zu fressen", können Sie versuchen, die beiden in ein "gemeinsames" Spiel zu verwickeln. Nehmen Sie dazu ein längeres Stöckchen oder einen langen Federwedel und wedeln Sie abwechselnd einmal vor dem einen, dann vor dem anderen. Möglichst so, dass die Katzen dazu animiert werden, das Spielzeug nur mit den Pfoten zu fangen aber ansonsten an ihrem Platz sitzen bleiben und nicht nachrennen. Jungkatzen fetzen natürlich gleich gerne nach. Dann lassen Sie einmal die eine Katze (in die dem anderen entgegengesetzte Richtung) rennen, nehmen das Stöckchen/den Federwedel hoch, und dann das gleiche bei dem andere Kätzchen, jedenfalls so, dass sich die zwei nie in die Quere kommen. Solche Spiele verbinden und zeigen den Kätzchen, dass ja eigentlich jeder nur am Spiel interessiert und daher harmlos ist.

Noch etwas - lassen Sie die zwei bitte auf keinen Fall nachts weggesperrt, weder einzeln, und ohne Aufsicht schon gar nicht zusammen. Wie ich Ihnen beim letzten Mal bereits den Tipp gegeben habe, nehmen Sie alle beide mit ins Schlafzimmer (natürlich auch da im Moment mit leicht zugänglicher Futter/Wasserstelle, Klo). Lassen Sie zumindest die 1. Nacht irgendwo ein kleines Lichtlein brennen, damit Sie die zwei gleich im Blick haben, falls es Zoff geben sollte (immer daran denken, ruhig bleiben, beruhigend sprechen, nie bestrafen). Vielleicht haben Sie ein paar Tage etwas unruhigen Schlaf, aber es lohnt sich.

(NACHTRAG: Bei der Zusammengewöhnung von zwei erwachsenen Katzen oder wenn ein recht dominates/aggressives Tier beteiligt ist, ist es wahrscheinlich besser, die Tiere nachts durch Unterbringung in verschiedenen Zimmern voneinander zu trennen (und falls nötig, auch tagsüber, getrennt z.B. durch ein Netz oder ähnliches, siehe "nächster Fall"). Eine prima Gelegenheit, sich wenigstens ein paar Stunden vom Stress zu erholen, und der Neuen wird so auch die Gelegenheit gegeben, zumindest einen Teil des neuen Zuhauses in aller Ruhe kennenzulernen. Sofern man mindestens zu zweit ist, wäre es ideal, wenn man es so einrichten könnte, dass jede Katze mit einem Menschenpartner die Nächte verbringen kann, d.h. einer vielleicht mit Herrchen im Schlafzimmer und der andere mit Frauchen im Wohnzimmer, oder umgekehrt.)

Natürlich kommt es vor, dass sich 2 Katzen überhaupt nicht und niemals verstehen. Aber das ist höchst selten, und bei zwei gleichaltrigen Katzenkinder wäre es schon eine absolute Rarität. Ich denke, dass die zwei sich sogar schon innerhalb der nächsten Tage deutlich anfreunden werden, und in einer Woche sieht die Sache dann ganz anders aus. Jedenfalls Geduld, Geduld, Geduld, geben Sie den zweien einfach Zeit, es wird schon (den absoluten Härtefall, den ich jemals erlebt habe - es war aber auch eine schwierige Konstellation - dauerte 4 Wochen. Aber auch da hat es dann schließlich geklappt)

Viel Erfolg - und geben Sie mir Bescheid, wie es dann letztendlich ausgegangen ist?

Viele Grüße,

Renate Wald
Ciara's Ragdolls
http://www.ciara.de


 

Mittwoch, 20. Dezember 2006, 20:14

Betreff: Unsere süssen Kätzchen.....


Hallo liebe Frau Wald.

Ich wollte mich nur noch mal schnell bedanken für ihr vielen freundlichen Hilfestellungen zur Eingliederung unseres kleinen Katers.

Unsere Katze und der neue Kater lieben sich nun heiß und innig, sie schlafen zusammen und schlecken sich gegenseitig das Fell, fressen aus einem Napf und benutzen das gleiche Klo!!

Ich danke Ihnen sehr für Ihr Hilfe und Ihre Vorschläge, von denen wir viele beherzigen konnnten. DANKE.

Ihnen und ihrer Familie fröhliche Weihnachten und alles, alles Gute für das neue Jahr 2007

Herzlichst

XYZ


 


Mittwoch, 20. Dezember 2006, 21:25

Betreff: Re: Unsere süssen Kätzchen.....


Liebe Frau XYZ,

vielen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung, es freut mich riesig, dass die Zusammengewöhnung nun doch so prima geklappt hat, und dass ich Ihnen tatsächlich weiterhelfen konnte. Haben nun auch die "Menschen-Überfall-Anfälle" Ihres 1. Kätzchens aufgehört, eigentlich das Ursprungsproblem?

Es gibt sicher Katzenbesitzer mit ähnlichen Problemen, würden Sie mir denn erlauben, unseren Schriftwechsel - natürlich ohne Namen - auf meiner Website zu veröffentlichen? Wäre ganz toll und könnte auch den anderen Katzenbesitzern (und Katzen) weiterhelfen.

Ich wünsche auch Ihnen und Ihren Lieben ein geruhsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich tolles, gesundes und erfolgreiches neue Jahr. Weiterhin viel Freude mit Ihren beiden Raggys, bitte knuddeln Sie die beiden von mir.

Herzliche Grüße,

Renate Wald
Ciara's Ragdolls
http://www.ciara.de


 

Freitag, 22. Dezember 2006, 20:20

Betreff: Re: Unsere süssen Kätzchen.....


Hallo!

Gerne können Sie die Schriftwechsel veröffentlichen ... ich habe nichts dagegen!! Informieren Sie mich doch mal wo ich diesen einsehen kann.

Die Überfälle der kl. Kätzin waren vorüber mit dem gleichen Tag, als der kl. Kater ins Haus kam. Sie ist friedlich und ausgeglichen, jeder kann sie nun jederzeit hochnehmen! Ist das nicht toll??

Nun haben wir zwei freundliche Katzen, wie sich das für eine Ragdoll gehört - einfach schön.

Wir haben schon überlegt, die beiden noch nicht kastrieren zu lassen und einfach mal einen Wurf abzuwarten. Was halten Sie davon?? Was müssen wir alles beachten?? Wir wollen nicht regelrecht züchten, aber ein Wurf wäre schon schön!!

Liebe Grüße und frohe Weihnachten

XYZ


 

Freitag, 22. Dezember 2006, 23:49

Betreff: Re: Unsere süssen Kätzchen.....


Liebe Frau XYZ,

das ist ja klasse, bin echt froh - für Sie und Ihre Kätzchen :-) - dass sich nun wirklich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat.

Was Ihren Wunsch nach Katzenkinder betrifft, kann ich das nur zu gut verstehen. Kleine, süße Kätzchen aufwachsen zu sehen ist ganz bezaubernd - vorausgesetzt es geht alles gut... Und da kann doch allerlei passieren, wie ich im Laufe der Jahre leider am eigenen Leib erfahren musste. Ich habe noch so einige "halbangefangene" Artikel in petto, so auch über "Katzenzucht", die ich irgendwann mal auf meiner Website veröffentlichen möchte (Nachtrag September 2007: Der Artikel ist fertig!). Da werden allerlei Voraussetzungen und evtl. Probleme angesprochen, die bedacht werden müssen, bevor man sich für Katzennachwuchs entscheidet. Deshalb nur eine Zusammenfassung:

Als erstes sollten Sie unbedingt mit dem oder den Züchter(n) der beiden Ragdolls abklären, ob Ihre Kätzchen auch für die Zucht geeignet und vor allem zugelassen sind. Manche Kätzchen haben kleine Fehlerchen, die ihrer Schönheit keinen Abbruch tun, einem vielleicht kaum oder gar nicht auffallen. Die aber zuchtausschließend sind und keinesfalls reproduziert werden sollen/dürfen. Außerdem hat der Züchter stets ein Mitspracherecht. Wenn die Kätzchen vertraglich als Liebhabertier verkauft wurden, muss er die Zuchterlaubnis erteilen. Beide Katzen müssen natürlich auch vom Stammbaum (z.B. können zu enge Verpaarungen gefährlich sein) und Aussehen her (vor allem Typ) zusammenpassen. Ihr(e) Züchter kann/können Sie sicher entsprechend beraten. Dann sind einige gesundheitliche Aspekte abzuklären, wie Blutgruppentest und -verträglichkeit (falls die Blutgruppe der Katzeneltern in spe nicht zusammenpassen, müssen Sie die neugeborenen Kätzchen sofort nach der Geburt von der Mutter trennen, damit die Babies auf keinen Fall einen Tropfen Milch erwischen und anfangs mit der Hand füttern, sonst müssen die Kätzchen ggf. qualvoll sterben), Leukosetest, etc.

Jeder Wurf, auch wenn es eine einmalige Sache bleiben soll, sollte gut geplant werden. Ansonsten ist es nur Vermehrung und keine Zucht. Und angesichts der vielen überquellenden Tierheime mit unzähligen armen Katzen, die dringend ein Zuhause suchen, ist Katzennachwuchs wirklich nur akzeptabel, wenn man dabei auch etwas zur Verbesserung der Rasse beiträgt, anstatt nur Kätzchen zu "produzieren". Das geht aber nur, wenn die Kätzchen auch in einem seriösen Verein gezüchtet werden/einen Stammbaum = Abstammungsurkunde erhalten. Vielleicht können Sie diesen einen Wurf auf den Namen des Züchters Ihres Katzenmädchens laufen lassen, dann müssen Sie nicht selbst einem Verein beitreten und einen Zwingernamen beantragen.

Bitte bedenken Sie vorher, dass unkastrierte Kater und auch Katzen markieren = unsauber werden können. Da beide ziemlich gleichaltrig sind, kann es sein, dass der Kater Ihre Kleine schon lange belästigt, bevor sie überhaupt rollig ist (arger Stress für das Katzenmädchen). Oder er deckt sie erfolgreich, bevor sie überhaupt alt genug ist, einen Wurf physisch und psychisch gefahrlos auf die Welt zu bringen (es sind Fälle bekannt, wo die beiden Katzeneltern erst 6 Monate alt waren...). Um beides zu vermeiden, müssten Sie Ihren Kater zur Sicherheit strikt von Ihrer Katze trennen, zumindest in der Zeit, wo Sie die zwei nicht beaufsichtigen können.

Dann sollten Sie überlegen, ob Sie auch mit Problemen klarkommen können, falls die Katze z.B. einen Kaiserschnitt benötigt und für die erste Zeit oder überhaupt für die gesamte Kätzchenaufzucht ausfällt (hier sind evtl. wochenlange Handfütterungen rund um die Uhr alle 2 - 3 Stunden nötig). Auch während der Aufzucht kann vieles passieren, Kätzchen können krank werden, etc. Sie brauchen viel Zeit, um die Kleinen zu sozialisieren, damit sie stubenrein werden - ja und zum Schluss müssen Sie auch geeignete neue Plätze für den Katzennachwuchs finden, was nicht immer so einfach ist - wenn Sie Zeit haben, lesen Sie doch mal meinen neuen Artikel Der Kontakt mit dem Katzenzüchter / Katzeninteressenten. Denn wenn man "Pech" hat, kommen nicht nur 3 oder 4 Kätzchen auf die Welt, sondern 6 oder 7, und ob man so viele Tierchen noch in der Verwandtschaft oder bei Freunden unterbringen kann?

Ja, das waren nur mal einige grobe Anhaltspunkte - wie Sie sehen, ist auch die Aufzucht nur eines Wurfes gar nicht so einfach. Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen bei Ihrer Entscheidung :-)

Herzliche Grüße,

Renate Wald
Ciara's Ragdolls
http://www.ciara.de

 




- 2. Fall: Erwachsener Kater und zwei Jungtiere


Dienstag, 30. Januar 2007, 13:09

Unser Kater Timi


Guten Tag,

ich habe mit grossem Interesse Ihren Bericht über die Zusammenführung von zwei Kätzchen gelesen. Wir haben im Moment das gleiche Problem.

Wir haben einen Kater der 8 Jahre alt ist. Er ist leider in Juli verschwunden als wir im Urlaub waren. Seit Freitag sind wir wieder überglücklich, der Timi ist wieder aufgetaucht. Wir haben allerdings jetzt seit Weihnachten zwei kleine Kater die jetzt 16 Wochen alt sind. Die kleinen Kater sind in der Wohnung, der Timi wohnt im Moment doch im Dachgeschoss. Wir haben die zwei Kleinen in den letzten Tagen immer wieder mit nach oben genommen, aber die Stimmung ist nicht all zu gut. Die drei fauchen sich immer wieder an und nach einer weile lässt der grosse die zwei Kleinen links liegen und beachtet sie nicht mehr.

Was können wir tun, damit sich die drei anfreunden und wir alle viel Spaß und Freunde haben.

Auf Ihre Antwort warte ich sehr gespannt.

Vielen Dank und Grüße

XYZ


 

Freitag, 02. Februar 2007, 01:39

Betreff: Re: Unser Kater Timi


Hallo Frau XYZ,

erst mal meine herzlichsten Glückwünsche, dass Ihr Timi nach so langer Zeit wieder heimgefunden hat.

Super, dass er nach nur ein bisschen Fauchen die Kleinen in Ruhe lässt - der erste Weg zum Frieden - noch dazu, wo er die Kätzchen bis jetzt nur ab und zu zu Gesicht bekommen hat und das auch noch quasi als "Eindringlinge" in seine sichere Höhle/sein Rückzugsgebiet, dem Dachboden. Mehr kann man sich in dieser Situation gar nicht wünschen, und das spricht definitiv für ein ganz liebes, freundliches Tier (besonders unter Berücksichtigung, da man ja nicht weiß, was er die letzten Monate alles erlebt hat. Diese Zeit war für Timi vermutlich alles andere als einfach, und dann erwarten ihn nach seiner Rückkehr auch noch zwei Frechdachse, die seinen Platz und sein Revier eingenommen haben...). Für dieses Verhalten, das gar nicht so selbstverständlich ist, hat Timi große Hochachtung verdient.

(NACHTRAG: Natürlich kann sich eine Katze nicht an andere gewöhnen, wenn sich stets alle aus dem Weg gehen und somit so gut wie nichts voneinander mitbekommen. Bei ausgesprochen aggressiven Katzen könnte man z.B. mit einem Drahtgitter, sicherem Katzennetz ohne Durchschlupfmöglichkeit oder einer Plexiglasscheibe im Türrahmen dafür sorgen, dass sie sich nicht angreifen aber trotzdem gegenseitig beobachten und den Duft des anderen aufnehmen können. Apropos "Duft" - damit alle gleich riechen, kann man jeder Katze vor der ersten Begegnung das Fell auch ein wenig mit einem intensiv riechenden Babypuder einreiben, besonders am Hinterteil - nur aufpassen, dass nichts in die Nase und die Augen kommt! (einige Katzenbesitzer haben ihre Tieren kurz vor der ersten Begnung an den Seiten auch mit ein wenig für Katzennasen lecker riechendes Dosenfutter eingerieben :-), was aber gar keine schlechte Idee ist. Abgesehen vom sympathischen Geruch sendet auch Lecken in Sichtkontakt friedliche Signale aus). Jedenfalls ist es von Vorteil, die Katzen von selbst aufeinander zugehen zu lassen, anstatt die neue(n) dem alteingesessenen Tier einfach vor die Nase zu setzen.)

Denn es ist durchaus verständlich, dass auch die Kleinen Timi gleich anfauchten. Ich vermute ganz einfach mal, dass sie den Dachboden vorher noch nicht kannten, zumindest würden sie ihn jetzt, wo ihn Timi "bewohnt", freiwillig wohl nicht betreten. Aber nachdem sie nun "zwangsweise" in die Höhle des Löwen verbracht wurden, sind sie in höchster Alarmbereitschaft - auweia, fremde Umgebung und erst mal fauchender, sprich gefährlicher Feind....! Da muss man natürlich versuchen, auch den anderen mit Fauchen abzuschrecken und ihm begreiflich machen, dass man sich sehr wohl zu wehren weiß (überhaupt ist Fauchen und Knurren beim Zusammentreffen von Katzen normal. Damit hält man Abstand, und so wollen Katzen einander auch am liebsten kennenlernen).

Bei der Zusammenführung von Katzen sollte sich der Mensch gar nicht so sehr einmischen, einmal von Maßnahmen abgesehen, die verhindern, dass sich die Tiere ernsthaft in die Wolle bekommen (NACHTRAG - höchste Alarmbereitschaft ist z.B. angesagt, wenn eine der Katzen oder gar beide das Fell sträuben, *sofort* trennen muss man, wenn eine der beiden ohne zu zögern auf den anderen losgegangen ist (durch Beobachten und rechtzeitiges Eingreifen sollte so eine Situation möglichst erst gar nicht eintreten) oder beim Anblick der anderen Katze zu "singen" beginnt. Und auch unterschwellige Drohungen und Schikanen (können sich auch erst nach Wochen oder gar Monaten bemerkbar machen) wie anstarren/bewachen/auf der Lauer liegen, was dazu führen kann, dass speziell unsichere Tiere sich nicht mehr vom Fleck trauen oder es wagen, die Katzentoilette, die Futter-/Wasserschüssel, das Bett des Menschen aufzusuchen, das Katzentürchen zu benutzen, bzw. scheinbar liebevolles Köpfchengeben oder an den Flanken der anderen reiben, was aber eher als drohendes Imponiergehabe anzusehen ist, sollten vom Menschen nicht übersehen - und auch nicht falsch verstanden werden. Denn nicht selten kommt es vor, dass abwehrendes Fauchen als Angriffszeichen fehlinterpretiert wird. Fatal, wenn dann auch noch das eigentliche Opfer als vermeintlicher Aggressor ausgeschimpft wird...)

Dagegen haben Lob und beruhigende Worte noch nie geschadet :-). Freundschaft kann man nicht mit Gewalt erzwingen, gegenseitige Zuneigung (und die - manchmal wechselnde - Rangordnung, nur einer kann der Boss sein!) muss sich mit der Zeit und von ganz alleine entwickeln. Sie können das jedoch ein bisschen unterstützen, indem Sie aufpassen, dass die Kleinen Timi nicht nerven, und ihm auf der anderen Seite stets das Gefühl geben, dass er für Sie immer noch die Nr. 1 ist und bleibt. Und wie immer das Wichtigste: Geduld, Geduld, Geduld...

Sollte Timi den Dachboden immer noch nicht freiwillig verlassen haben, besuchen Sie ihn dort ruhig weiterhin (vor allem mal alleine um ihn zu trösten, wenn er das genießt. Und wenn Sie an seiner Reaktion merken, dass er eigentlich gar keine so großen Probleme mit dem "Jungvolk" hat, auch ab und zu mit den Kätzchen und einem Spielzeug, mit dem ggf. alle 3 miteinbezogen werden können - siehe meinen 1. Bericht über die Zusammenführung von zwei Kätzchen).

Als ich damals zu meiner ersten Katze, eigentlich ein ideales Einzelkätzchen, einen kätzischen Neuzugang ins Haus brachte, ist sie erst mal im Bad verschwunden. Sie machte es sich auf dem Teppichvorleger bequem, offenbar entschlossen, dort von selbst nicht wieder wegzugehen, was ich auch akzeptierte. Sie bekam ihr Futter und Wasser in unmittelbarer Reichweite, und das neue Katerchen das von Haus aus zusätzlich aufgestellte Kistchen ein Stück vom Bad entfernt platziert, damit sich die beiden nicht in die Quere kommen. Mehrmals täglich besuchte ich meine Katze nun im Bad (die Türe war natürlich stets offen), sprach leise mit ihr und streichelte sie sanft. Ein fast unmerkliches Schnurren zeigte, wie gut ihr das im tiefsten Inneren tut. Und nach knapp 5 Tagen war es ihr dann wohl auch zu langweilig bzw. hatte sie sich mit der neuen Situation abgefunden. Jedenfalls kam sie von selbst aus dem Bad, und damit war alles paletti.

Doch selbst wenn es auch nach langer Zeit nie die ganz große Liebe zwischen all Ihren Katzen werden sollte, kann man ja schon mehr als zufrieden sein, wenn sich die drei gegenseitig akzeptieren und willig ihr Zuhause miteinander teilen. Das ist übrigens auch ein kleiner Trick, wenn man einem älteren Tier, das bis dato überhaupt keine anderen Katzen kannte, oder das mit einem Flitzezahn-Katzenkind total überfordert ist, trotzdem ein neues Kätzchen dazugesellen möchte: Oft klappt es, wenn man gleich 2 neue Kätzchen adoptiert. Die merken i.d.R. ganz schnell, falls mit dem älteren nicht gut Kirschen essen ist bzw. der toootal langweilig ist und beschäftigen sich zukünftig lieber nur miteinander und lassen den anderen in Ruhe. Auf diese Weise kann jeder zufrieden so leben wie es ihm gefällt.

So, das war nun alles, was mir dazu einfällt :-). Ich würde mich freuen, wenn Sie nichts dagegen haben, dass ich auch unseren Briefwechsel veröffentliche, als Zusatzinfos für andere Katzenbesitzer in ähnlicher Lage.

Auch Ihnen wünsche ich ganz viel Erfolg und dass Ihre Katzen sich bald super vertragen.

Herzliche Grüße,

Renate Wald
Ciara's Ragdolls
http://www.ciara.de


 

Montag, 19. März 2007, 08:16

Betreff: Re: Unser Kater Timi


Hallo Frau Wald,

viele Grüße und einen grossen Dank senden Ihnen XYZ und XYZ.

Unseren 3 Katern geht es sehr gut. Sie kommen jetzt schon ca. 4 Wochen super miteinander aus, beschnuppern sich und spielen miteinander. Der Timi knurrt die kleinen nicht mehr an und Sie teilen sich Essen, Trinken, Couch und Schlafplatz. Seit letzter Woche haben wir unsere Katzenklappe wieder geöffnet und die drei geniessen die Natur. Sie sind total süss und wir sind sehr froh dass die drei sich bei uns wohl fühlen.

Ihnen weiterhin alles Gute und nochmals vielen Dank

XYZ und XYZ

 




- 3. Fall: Ängstliches / beißendes Kätzchen


Mittwoch, 03. Januar 2007, 21:36

Betreff: meine Katze


Hallo mein Name ist XYZ und obwohl ich keine Katze gekauft habe oder kaufen möchte hätte ich ein paar Fragen an sie von denen ich hoffe das sie sie mir beantworten können. (....) Außerdem haben ich und mein Freund ca vor 5 Monaten ein Katzenkind aufgenommen, welches von einem alten Ehepaar stammt. Diese älteren Herrschaften hatten ihre Katzen und Kater nicht unter Kontrolle, die Geschwister von meinem Kater waren schon gestorben und weil mir der Kater der erst 4 Wochen alt war und nur draußen gelebt hat so leid tat habe ich ihn mitgenommen. Die Tierärztin hat ihm keine Chance mehr gegeben, aber er hat doch überlebt. Es war zwar schwierig und sehr zeitaufwändig aber meine Mutter, mein Freund und ich haben ihn am leben gehalten. Wir hatten jedoch schon eine Katze, die beiden käbbeln sich öfter es scheint jedoch nichts ernstes zu sein. Er hat sehr viel Angst und geht nur selten raus. Er hat ein Katzenklo auf das er auch geht, aber es gibt Tage an denen er einfach irgendwo hinpinkelt und ich mir nicht erklären kann wieso, könnten sie mir da weiter helfen? Außerdem will er nur spielen, wenn man ihn anfasst beißt er meinstens, manchmal kommt er aber auch und schmiegt sich an einen. Ich weiß nicht ob es meine Schuld ist, das er so viel beißt, weil ich und auch sonst niemand ihn schlägt oder geschlagen hat. Vielleicht können sie mir sagen warum er so viel spielt und beißt. Es wäre wirklich nett von ihnen wenn sie mir auf meine Email antworten würden, da ich ihre Seite entdeckt habe und glaube das ich mit meinen Soregn um meinen Kleinen süßen Kater gut aufgehoben bin.

Mit freundlichen Grüßen XYZ


 

Sonntag, 07. Januar 2007, 23:18

Betreff: Re: meine Katze


Hallo Frau XYZ,

vielen Dank für Ihre nette Mail, bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen erst jetzt antworte.

(...) Dann zu Ihrem Katerchen... das wohl enormes Glück hatte, dass Sie sich ihm angenommen und ihn aufgepäppelt haben, trotz oder gerade wg. der schlechten Prognose. Ich weiß, wie neven- und kräftezehrend solch ein Unternehmen sein kann, meinen Respekt! Allerdings kann ich mich auch sehr gut in Ihr Katerchen hineinversetzen. Die große Gefahr bei einer mehr oder weniger ausschließlichen Handaufzucht ist die mangelnde Sozialisierung - nicht unbedingt durch den Menschen (obwohl der Kleine lt. Ihrer Schilderung wohl auch da in seinen ersten 4 Lebenswochen große Defizite hatte - und gerade die Erfahrungen in der ersten Zeit legt oft die Grundlage für das ganze spätere Leben). Aber kaum öffnen die Katzenbabies ab ca. dem 12. Tag die Augen, beginnen sie bereits ein wenig miteinander zu spielen, was sich in den Wochen bis zur Abgabe enorm steigert. Diese Spielereien und manchmal auch Kabbeleien, das gemeinsame Herumflitzen und Umgebung erforschen sind jedoch nicht nur Zeitvertreib und Spaß, sondern auch wichtige Vorbereitungen für das Erwachsenenleben bzw. die eigenen Selbständigkeit der Kätzchen, d.h. wenn sie in der freien Natur eigene Wege gehen würden und sich ihre Nahrung selbst erjagen müssen.

Beim Kräftemessen wird die Muskulatur gestärkt, die Geschicklichkeit trainiert, und die Kätzchen lernen im Umgang mit Mutter, evtl. anderen erwachsenen Katzen in der Umgebung und eben vor allem den Wurfgeschwistern "kätzisches Verhalten" - besonder wichtig! D.h. wann muss man eher vorsichtig sein, wann sich unterwerfen, wann muss man sich durchsetzen und mutig sein, usw. Das alles fehlt wohl Ihrem Kleinen, der Mensch kann sowas kaum kompensieren, auch wenn er sich noch so bemüht. Das ist einer der Gründe (neben der Tatsache, dass auch frühestens in der 12. Woche die Impf-Grundimmunisierung abgeschlossen sein kann, ein lebenswichtiger Schutz für die Kätzchen), warum in einer seriösen Katzenzucht die Kätzchen nicht vor der 12. Woche abgegeben werden. Gerade zwischen der 8. und 12. Lebenswoche lernen die Kleinen noch enorm viel voneinander bzw. der Mutter, obwohl sie in diesem Alter eigentlich längst "selbständig" wären.

Wie Sie schreiben, ist Ihr Kater recht ängstlich und daher wohl auch wenig bis gar nicht selbstbewusst. Die Unsauberkeit kann nun viele Ursachen haben. Falls Sie in der Zeit, wo ein Kätzchen eigentlich die Benutzung der Katzentoilette lernt (ab spätestens der 4. Woche) stets konsequent waren und immer überwacht haben, dass er das Kistchen benutzt hat (siehe mein Website-Artikel über "Unsauberkeit" - wie man kleine Kätzchen am besten an die Benützung des Kistchen gewöhnt), würde ich einfach mal davon ausgehen, dass er sich nicht immer traut, die Katzentoilette aufzusuchen. Entweder aus Respekt vor Ihrer anderen Katze oder sonstigen Gründen. Hier könnte evtl. eine Bachblütenmischung helfen, vielleicht finden Sie anhand eines entsprechenden Buches (z.B. "Mit Bach-Blüten unsere Haustiere heilen" von Renate Edelmann) oder noch besser, mit Hilfe eines guten Tierheilpraktikers (der vielleicht noch andere unterstützende Mittel empfehlen kann) den richtigen Mix.

Das Finger-Beißen und der übermäßige Spieltrieb hat wohl auch seine Ursachen, dass er keine Wurfgeschwister hatte und ihm auch jetzt ein kätzischer Spielgefährte abgeht, mit dem er sich so richtig austoben könnte. Ich habe erst kürzlich einen neuen Website-Artikel hochgeladen (Rubrik Verhaltensprobleme) über ein "agressives" Kätzchen. Dabei war das vor allem Ausdruck angestauter und überschüssiger Kräfte. Sobald das Kätzchen einen passenden Spielgefährten hatte, war das Negativ-Verhalten wie weggeblasen.

Auch bei Ihrem Katerchen könnte die Adoption eines zweiten Kätzchens eine Lösung sein. Allerdings müsste man da besonders gut darauf achten, dass das Tierchen aus einer liebevollen, menschengewöhnten Wohnungs-Aufzucht (!) stammt, wo die Katzenkinder in einem intakten Umfeld mit möglichst vielen freundlichen Mitkatzen aufwachsen. Außerdem sollte das Kätzchen ein ausgeglichenes, relaxtes Temperament haben, d.h. nicht zu "frech", sprich dominant, aber auch nicht vorsichtig/ängstlich. Und dann würde ich diese beiden Kätzchen auch weiterhin auschließlich in der Wohnung halten. Ihr Kater geht sowieso nur ungerne raus (dann sollte man ihm den Stress auch schon von Haus aus möglichst ersparen), und das andere Kätzchen ist es nicht anders gewöhnt. So wäre doch eher gewährleistet, dass sich die beiden eng zusammenschließen und gegenseitig Gesellschaft leisten, anstatt so wie es bei Ihrer erwachsenen Katze mit Freilauf ist, eigene Wege zu gehen.

Übrigens müssen auch Kätzchen mit vielen Wurfgeschwistern oft erst lernen, dass Fingerbeißen beim Menschen nicht ok ist. Sie denken sich erst mal nichts dabei, denn Katzen sind mit der fellbedeckten Haut ja viel unempfindlicher als wir Menschen. D.h. was für ein Kätzchen ein Riesenspaß wäre, wenn es vom Bruder oder der Schwester ordentlich beknabbert und gezwickt wird, ist bei uns sehr unangehm oder tut sogar höllisch weh. Deshalb achte ich auch von Anfang darauf, dass meine Kätzchen lernen, beim Menschen etwas vorsichtiger zu sein. Und das klappt auch ganz prima. Sobald es weh tut, rufe ich "Au!", und höre sofort auf mich zu bewegen, d.h. auch kein Finger wegziehen. Meist ist das schon ausreichend, dass die Kätzchen sofort reagieren, den Finger loslassen und weggehen. Dann gibt es Lob und wird ggf. mit Streicheln oder Weiterspielen mit einem Gegenstand belohnt (dabei aber nie zu wild werden; sobald man merkt, dass das Kätzchen plötzlich anfängt, übermütig und aggressiv zu spielen, immer sofort aufhören. Das gilt besonders für Hand- oder Fingerspiele, die man am besten ganz vermeiden sollte. Speziell Männer neigen gerne dazu, auf dem Rücken liegende Kätzchen mit Necken und Ärgern am Bauch und zwischen den Pfoten in Rage zu bringen - ein absolutes No-No!).

In hartnäckigen Fällen, d.h. nach erfolglosem "Au!", kann man ein immer noch am Finger hängendes Kätzchen auch mal "anfauchen" (Hand immer noch nicht bewegen). Richtig so mit lautem "CHHHHH"; sollte das alleine nicht wirken, mit ein bisschen zusätzlichem ins Gesicht blasen). Das hört sich vielleicht etwas albern an, entspricht aber dem, wie andere Katzen, denen es zuviel wird, auch reagieren würden, und wird normalerweise auch bestens verstanden. Aber das "Anfauchen" sollte nur sehr sparsam angewandt werden, d.h. auch nur wenn es wirklich notwendig ist. Denn schließlich soll der Mensch ja immer noch als sympathischer und vor allem gerechter Partner wahrgenommen werden.

Mit 5 - 6 Monaten steckt ein Kätzchen übrigens oft noch im Zahnwechsel. In dieser Zeit haben manche Katzenkinder ein besonders großes Bedürfnis, das unangenehme Gefühl oder gar Schmerzen im Kiefer durch Herumknabbern an Gegenständen oder Möbeln zu lindern. Hier kann man dem Kätzchen als Ersatz ein etwa fingerdickes Stäbchen aus ungiftigem, nicht splitternden Holz anbieten, oder ein Kauröllchen in etwas gleicher Dicke aus Büffelhaut (Hundebedarf).

(NACHTRAG: Übrigens gibt es bei Katzen auch den sog. "Liebesbiss", der absolut nicht böse gemeint ist. Ganz im Gegenteil, hier kann sich der Mensch geradezu geehrt fühlen, wenn ihn sein kätzischer Liebling in höchster Verzückung sanft in die Hand oder in den Arm beißt/knabbert. Das ist quasi die High-End Steigerung des Pfotenknetens - ein Zeichen, dass sich die Katze gerade ganz besonders wohl fühlt und glücklich ist... Ja, und dann erleben manche Katzenbesitzer das für sie oft völlig unverständliche plötzliche Beißen und Kratzen der Katze, obwohl sich das Tier vorher scheinbar noch behaglich schnurrend streicheln ließ. Aber wenn man die Katze genau betrachtet, waren sicher vorherige Warnzeichen zu erkennen, die der Besitzer nur nicht beachtet hat, wie z.B. ein gewisses Ohrenzucken, Schwanzschlagen, leichte Schauer/Rippeln im Rückenfell - alles Symptome dafür, dass sich die Katze nicht mehr wohl oder überfordert fühlt (Reizüberflutung?). Bei solchen Katzen darf man nie bis zum Äußersten gehen, lieber einmal zu früh mit den Liebkosungen aufhören, allerspätestens aber dann, wenn die Katze eine oder mehrere der o.g. Anzeichen zeigt - also immer genau beobachten und rechtzeitig reagieren.)

P.S: Nicht jedes Kätzchen ist ein Schmuselöwe, es gibt durchaus Katzen, die von ganzem Herzen gerne spielen, aber Streicheln und Geknuddelt werden total ätzend finden, was aber nicht heißen muss, dass sie einer gelegentlichen Streicheleinheit völlig abgeneigt wären. Und wenn es nur ein kurzer Streichler in Fellrichtung am Rücken entlang oder ein Kraulen mit dem Fuß ist, wenn die Katze zufällig am Fernsehsessel vorbeigeht (ja, seltsamerweise scheinen manche Katzen ein wenig handscheu zu sein, auch wenn sie niemals schlechte Erfahrungen machen mussten, da ist ein Fuß offenbar "neutraler"...). Aber auch solche Katzen sind wunderbare Hausgenossen, nur muss man sich dann eben als Besitzer ein wenig darauf einstellen und sich anders mit dem Kätzchen beschäftigen. Und man sollte die Katze niemals Zwangsknuddeln oder sich auf andere Art aufdrängen, wenn man weiß, dass das Tier eine Abneigung dagegen hat. Manchmal hat die spätere Kastration oder das Alter einen positiven Einfluss, tatsächlich hat es schon Katzen gegeben, die überraschenderweise später doch irgendwann entdeckt haben, dass Schmusen supertoll ist. Aber darauf verlassen würde ich micht nicht und es auch nicht negativ sehen.

Herzliche Grüße und viel Erfolg,

Renate Wald
Ciara's Ragdolls
http://www.ciara.de

 


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