liebe Kätzchen für liebe Menschen

 


© Renate Wald, Ciara's Ragdolls


Wie alt soll die neue Katze sein?

 

 

 

Das Mindestalter kleiner Kätzchen


"Wir müssen in den nächsten Wochen im Kreis unserer Katzenfamilie noch einiges an Sozialverhalten lernen, um zu wesensstarken Kätzchen heranzuwachsen, die ihren neuen Besitzern viel Freude bereiten!"



Haus- und Bauernhofkätzchen werden oft schon mit 6 Wochen abgegeben, und auch in Tageszeitungen, Supermarktaushängen oder "Internet-Flohmärkten" findet man immer wieder Annoncen, in denen um die 8 Wochen alte Rassekätzchen angeboten werden. Deshalb sind viele Katzeninteressenten erst mal erstaunt, wenn sie hören, dass Rassekatzenkinder aus einer seriösen Zucht frühestens ab der 12. Woche in ihr neues Zuhause umziehen dürfen. Der Grund dafür heisst schlicht und einfach "zum Wohle des Kätzchens" - und damit gleichzeitig auch "zum Wohle des neuen Besitzers..."!


Kleine übermütige "Kampfkätzchen"...

Denn nicht wenige Verhaltens- oder Gesundheitsprobleme bei einem neuen Kätzchen entstehen aus einer viel zu frühen Trennung von Mutter und Geschwistern. Kleine Katzenbabies, die gerade mit tapsigen Schritten die Welt zu erkunden beginnen, sind einfach unwiderstehlich süß. Kein Wunder, dass man sie am liebsten gleich alle mitnehmen würde! In diesem Alter (ab ca. 6 Wochen) können sie bereits selbstständig feste Nahrung wie Dosenfutter oder ähnliches fressen und wissen meist auch schon etwas mit einem Katzenkistchen anzufangen. All das verführt nun gerne zu der Annahme, dass das Kätzchen in der Lage ist, sich allein in einer neuen Familie zurechtzufinden. Und da der neue Besitzer ja eine enge Bindung zu dem Kleinen aufbauen will, möchte er es auch so früh wie möglich zu sich nehmen. Auf dem Land oder wo auch immer solche Kätzchen aufgewachsen sind, ist man wiederum oft nur zu froh, wenn die Katzenbabies möglichst bald untergebracht sind, denn dann hat man auch keine zusätzliche Arbeit oder gar Kosten, und der nächste Wurf kommt bestimmt.


...werden von ihrer Mami schon einmal kurz, aber eindrucksvoll in die Mangel genommen, um ihnen ihre Grenzen klarzumachen

Dabei benötigt ein Kätzchen in diesem Alter noch unendlich viel Zuwendung, aber auch Erziehung von der Katzenmutter. Mit den Katzengeschwistern wird gekuschelt, gespielt und gebalgt - alles wichtige Übungen für das Jagd- und Sozialverhalten, und damit gleichzeitig die Grundlage für ein zufriedenes Katzenleben. Und auch wenn ein Kätzchen bereits selbst fressen kann, wird es doch i.d.R. noch einige Wochen lang von der Mutter gesäugt. Über die zusätzliche Muttermilch werden dem Kätzchen viele wertvolle Stoffe zugeführt und an den Zitzen vor allem der Saugreflex befriedigt.


Ausschließlich mit der Hand aufgezogene Kätzchen können ihr Saugbedürfnis überhaupt nicht ausleben (neugeborene Katzenbabies hängen eigentlich Tag und Nacht an den mütterlichen Zitzen) und neigen daher extrem dazu, auch später mal an allem möglichen zu nuckeln

Wahrscheinlich hat schon fast jeder einmal von einem Kätzchen gehört, das ständig am Ohrläppchen oder an Kleidungsstücken seines neuen Besitzers saugt und damit den plötzlichen und viel zu frühen Verlust seiner Mutter auszugleichen versucht. Anfangs mag einem das noch putzig erscheinen, aber ist die Katze einmal erwachsen und dieses Verhalten lässt sich nicht abstellen, sieht die Sache schon ganz anders aus (noch schlimmer ist es, wenn das Kätzchen an eigenen Extremitäten z.B. am Schwanz saugt, was sogar bis zur Selbstverstümmelung führen kann).


Gleiches gilt für das "Klammerverhalten" kleiner Kätzchen, die zu früh in ihr neues Zuhause gekommen sind. Eine zu frühe Trennung und Entwöhnung ist für ein Katzenbaby traumatisch, es leidet unter Verlustängsten und weicht dem neuen Besitzer nicht mehr von der Seite. Der Besitzer fühlt sich bestätigt, dass es richtig war, das Kätzchen bereits in diesem Alter zu sich zu nehmen, da es ja sooo anhänglich ist. Wenn aber auch die erwachsene Katze noch klammert, in Panik gerät, Unsauberkeit oder andere Verhaltensstörungen zeigt, sobald ihr Mensch aus dem Haus oder nur ins nächste Zimmer geht, wird mit Unverständnis reagiert.


Aber auch das gegenteilige Verhalten ist möglich - ein zwangsweise entwöhntes Kätzchen kann scheu, reserviert oder gar aggressiv werden, bzw. unsoziales Verhalten gegenüber anderen Katzen entwickeln. Manches Kätzchen wird erst im Erwachsenenalter unsauber, was dann kaum mehr jemand auf die eigentliche Ursache - der viel zu frühen Trennung von Mutter und Geschwistern - zurückführt. Es kann sehr schwer, manchmal sogar unmöglich sein, solche Fehlverhalten der Katze, die ausschließlich der Mensch zu verantworten hat, zu korrigieren.


Ein Besitzerwechsel ist immer stressig für ein Tier, wobei sich Stress stets negativ auf das Immunsystem auswirkt. Aber was ein älteres Katzenkind vielleicht noch problemlos wegsteckt, lässt ein kleines Katzenbaby, dessen eigene Abwehrkräfte noch gar nicht vollständig entwickelt sein können, leicht erkranken. Der neue Besitzer wundert sich dann über den plötzlichen Schnupfen oder langwierige und gefährliche Verdauungstörungen (die auch dadurch entstehen können, weil der winzige Katzenmagen eben noch auf vorwiegend Muttermilch und viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt eingestellt ist), was nicht selten ganz erhebliche Tierarztkosten nach sich zieht. Und damit wären wir auch gleich bei dem Punkt, warum vor allem auch von offizieller Seite, d.h. von den meisten seriösen Katzenvereinen, vorgeschrieben ist, dass Jungtiere erst frühestens ab der 12. Woche abgegeben werden dürfen.


Die erste Hürde ist genommen - zufrieden nuckeln die neugeborenen Ragdollbabies die lebenswichtige Kolostralmilch (was aus diesen Babies einige Wochen später geworden ist, sehen Sie auf dem nächsten Bild...)

Über die erste Muttermilch (Kolostralmilch) hat jedes Kätzchen lebenswichtige Abwehrstoffe von der Mutter aufgenommen, die es gegen diverse, z.T. tödliche Krankheiten wie den echten Katzenschnupfen, Katzenseuche, etc. schützt (daher wird bei einer seriösen Katzenzucht auch streng auf einen wirksamen Impfschutz der Katzenmutter bzw. überhaupt der Elterntiere und der anderen Mitkatzen geachtet). Ab ca. der 5. - 6. Lebenswoche lässt die Wirkung dieser Abwehrstoffe langsam nach. Deshalb wird das Kätzchen i.d.R. das erste Mal im Alter von 8 Wochen gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche geimpft, gefolgt von einer Wiederholungsimpfung etwa 4 Wochen später. Erst ab diesem Alter sind die mütterlichen Abwehrstoffe soweit verschwunden, dass das Kätzchens wirksam eigene Antikörper bilden kann. Eine frühere Impfung wäre für einen langfristigen Schutz sinnlos, d.h. erst im Alter ab 12 Wochen kann ein Kätzchen vollständig grundimmunisiert sein.


(aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Abwehrstoffe der Mutter bei den Babys sogar noch weitaus länger als bis dato vermutet nachwirken kann. Viele Züchter haben daraufhin ihr Impfprogramm ungestellt, beginnen entweder später mit der Grundimmunisierung - die Kätzchen werden also erstmals mit 9 oder 10 Wochen geimpft, oder impfen 3 x, also nicht nur in der 8, 12, sondern nochmal in der 16. Woche).


Man kann sicher nicht erwarten, dass Kätzchen vom Bauernhof oder aus ähnlicher Quelle irgendeinen, geschweige denn einen kompletten Impfschutz haben (und zuweilen mag eine frühzeitige Aufnahme immer noch besser sein, als wenn die Kleinen noch einige Wochen länger ohne wirklicher menschlicher Zuwendung und damit Gewöhnung an den Menschen leben, was das spätere Zusammenleben mit einer Familie erheblich erschweren kann * ), aber wer sich bewusst auf den Kauf einer Rassekatze einlässt, die im geeigneten Alter nicht mindestens 2 Mal im Abstand von ca. 3 - 4 Wochen geimpft wurde, geht ein ziemliches Risiko ein. Während meiner damaligen Tätigkeit in der Tierklinik habe ich kleine Kätzchen gesehen, denen trotz aufwändigster Behandlung und Rund-um-die-Uhr-Versorgung nicht mehr zu helfen war und die elendig an Katzenseuche oder Katzenschnupfen eingingen (oder Zeit ihres Lebens mit Spätschäden zu kämpfen hatten). Glauben Sie mir, das war kein schöner Anblick und eine wahre Kostenlawine für den Besitzer...


"Wir freuen uns auf euren Besuch, und aussuchen dürft ihr uns auch schon. Aber wir ziehen erst in unser neues Zuhause, wenn wir alt genug und vollständig geimpft sind!"

Überhaupt kann man nur raten, einen großen Bogen um jeglichen "Züchter" zu machen, der seinen ungeimpften oder nur unvollständig geimpften Katzennachwuchs bereits vor der 12. Woche abgeben möchte. Entweder handelt es sich dabei um einen bloßen Vermehrer, der mit der Katzenproduktion einen netten Nebenverdienst einstreichen möchte und deshalb an allen Ecken und Enden spart (nachdem ich nun in den letzten Jahren selbst einige Katzenkinder aufziehen durfte, weiß ich aus eigener Erfahrung, wieviel ein Wurf gerade zwischen der 8. und 12. Woche an Impfkosten, Streu, hochwertigem Futter und Zeit kostet...), oder - falls tatsächlich eine Mitgliedschaft in einem Verein besteht, er bewusst gegen die Zuchtrichtlinien seines Verbandes verstößt (ich kann mir eigentlich nicht so recht vorstellen, dass ein seriöser Verband hierzulande heute noch die Abgabe von unvollständig geimpften Katzen erlaubt). Sicher gehören Sie nicht zu den Leuten, die einen solchen Vermehrer bzw. unseriösen Züchter durch den risikoreichen Kauf eines seiner Kätzchen unterstützen möchten, oder?


Viele verantwortungsvolle Züchter warten übrigens ein paar zusätzliche Tage bis zu einer Woche mit der Abgabe, um zu beobachten, ob das Kätzchen den Impfstoff (der nicht nur ein "trübes Wässerchen" ist, sondern durchaus Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat) auch gut vertragen hat und um einen Doppelstress - Impfung und gleichzeitiger Besitzerwechsel - zu vermeiden. Was bedeutet: Früheste Abgabe eines Rassekätzchens mit ca. 13 Wochen!


Auch mit 11 Wochen werden die meisten Kätzchen noch liebevoll von ihren Müttern gehegt und gepflegt, wobei die Kätzin ihre Kinder in diesem Alter aber kaum mehr säugt und durchaus zur Selbständigkeit ermuntert

Dies ist auch aus anderen Gründen ein ideales Alter, denn während kleine Kätzchen zwar schon sehr gerne mit dem Menschen zusammen sind, sind sie bis ca. zur 10. - 12. Woche doch noch vorwiegend auf ihre Geschwister und die Katzenmutter fixiert. Ab diesem Alter merkt man deutlich, wie das Interesse am Menschen zunimmt, die Kätzchen ihre eigene Persönlichkeit entfalten, und sie sich nun auch mal freiwillig von der Katzenfamilie entfernen, um selbst etwas zu unternehmen oder allein auf einem Platz zu schlafen. Sie nabeln sich ab, werden selbstständig, und auch die Katzenmutter entwöhnt die Babies, indem sie sie nicht mehr oder kaum noch an die Zitzen lässt... Hat ein Kätzchen dieses Stadium einmal erreicht, ist es bereit für den problemlosen Umzug in eine neue Familie.


* "Guten Tag Frau Wald,

ich war auf Ihrer Webseite und ich weiß, dass Sie nicht alle Fragen beantworten können.
Meine ist auch eine spezielle.
Ich habe bei vielen Internetseiten gesucht, war sogar beim Tierarzt. Aber KEINER konnte mir eine kompetente Antwort geben.
Da Sie mit Katzenzucht und Katzen generell Erfahrung haben, hoffe ich, dass Sie kurz Zeit haben meine Frage zu beantworten.
Wir haben eine "Wildkatze", eine richtige Wildkatze, die jeglichen menschlichen Kontakt scheut und sogar "angreift", auf unserem Dachboden.
Sie hat 4 kleine Kätzchen geworfen. Ca. 4 Wochen alt. Das ist nun das 2. Mal, dass sie kleine Kätzchen auf unserem Dachboden "hinterlässt".
Da wir selber Katzen haben und lieben, wollen wir die Kleinen behalten.
Allerdings wollen wir die kleinen innerhalb der nächsten 2 Wochen von der Mutter weg holen, weil sie sonst, wie der erste Wurf auch, menschenscheu werden.
Außerdem wollen wir irgendwie versuchen die Mutter Katze zu fangen und sterilisieren zu lassen.
Die Frage nun: meinen Sie es ist ratsam, die kleinen so früh weg zu holen? Auf Ihrer Seite habe ich gelesen, die kleinen nicht so früh weg zu nehmen.
Wie sind Ihre Erfahrung, wenn kleine Kätzchen früher weg geholt werden?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Viele Grüße,

gez. XYZ"



"Hallo Frau XYZ,

ob die frühe Trennung von ihrer Mutter später irgendwelche Probleme bereiten wird? Das kann man nicht vorhersagen, hinterher ist man immer schlauer. Doch man sollte bei seinen Entscheidungen stets abwägen, was nutzt den Katzen am meisten. Und im Falle der Kätzchen wäre es m.E. sicher vorteilhafter, wenn sie an Menschen gewöhnt sind und sich verhaltensmäßig lieber nicht nach ihrer "Wild-Mama" orientieren, was ihnen eine echte Chance auf ein lebenslanges und liebevolles Zuhause verspricht. Aber ich schätze mal, dass eine Trennung vermutlich lang nicht so stressig ist, wenn sie während der Aufzuchtszeit wenigstens als Wurf/Geschwister zusammenbleiben können, als wenn ein einzelnes Katzenbaby wg. Abgabe in ein neues Zuhause so jung aus der Katzenfamilie rausgerissen wird.

Ich drück' Ihnen ganz fest die Daumen, dass alles problemlos klappt - und danke, dass Sie sich der kleinen Katzenfamilie so verantwortungsvoll angenommen haben.

Herzliche Grüße von den Ciara's Ragdolls,

Renate Wald
http://www.ciara.de"



Und dann gab es noch folgenden Gästebucheintrag, den ich einfach mal so stehen lassen möchte. Da ich in der Tat keine eigene Erfahrung mit Hauskatzen habe, mögen diese in dem einen oder anderen Punkt durchaus "anders" sein. Was das ideale Abgabe-/Aufnahmealter eines Hauskätzchens angeht, halte ich mich also zukünftig lieber heraus :-). Trotzdem meine eindringliche Bitte, im passenden Alter die lebenswichtigen Impfungen und Entwurmungen nicht zu vergessen...


"Hi,

Du hast eine wunderhübsche Seite und ich finde sie ganz ganz ganz toll.

Ich hoffe Du hast nichts gegen ein klein wenig Kritik auszusetzen. Und zwar geht es um das Abgabealter der Katzen. Natürlich, fast jeder schreibt die 12 Wochen vor. Bei Rassekatzen durchaus sinnvoll.

Unsere EKH's sind da allerdings anders. Diese Katzen sind schon viel früher von der Mutter unabhängig. Eine normale EKH hört mit ca. der 6 Woche auf zu saugen. Natürlich kann man diese Tiere dann noch nicht abgeben, sie sind definitiv noch zu klein. Dennoch halte ich die 9.-10. Woche der Abgabe völlig legitim.

Denn spätestens nach der 10. Woche nabelt sich das Muttertier von den Kitten komplett ab und es kommt zu Reibereien in der Gruppe. Die Kitten möchten natürlich zur Mutter und die Mutter faucht sie an und möchte sie verscheuchen.

Allerdings passt dies nicht mit den Impfungen überein.

Bei Rassetieren rate auch ich bis zur 12. Woche zu warten.

Mfg. Irina"


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Ältere Jungtiere


Es gibt tatsächlich Interessenten, die sich bereits bei einem erst 10 Wochen alten Kätzchen beschweren, "Was, schon sooo alt?!" (die lakonische Antwort des Züchters: "Warum haben Sie denn nicht schon ein paar Wochen früher angerufen, als der Wurf noch jünger war??"). Und hat ein Katzenkind erst einmal die "magische Grenze" von 3 Monate überschritten, wird es von dem einen oder anderen Interessenten geradezu misstrauisch beäugt... da kann ja was nicht stimmen, warum hat das Kätzchen noch keinen neuen Platz gefunden?, ist es denn weniger schmusig und lieb als die anderen?, etc. etc. Und es werden Bedenken laut, gewöhnt sich ein älteres Kätzchen überhaupt noch problemlos ein?


Sicher gibt es im Einzelfall auch mal andere Gründe, aber in der Regel ist es so, dass sich einfach noch kein perfektes Zuhause für das Kätzchen gefunden hat. Gerade bei Züchtern, die in sehr kleinem Rahmen züchten und es sich daher leisten können, einen Wurf auch länger zu behalten, kann es schon mal dauern, bis ein Kätzchen vermittelt ist. Hier steht nicht der schnelle Euro im Vordergrund, sondern es wird größter Wert darauf gelegt, dass das passende Kätzchen zu den passenden Menschen kommt.


Anno 1994 wurden vorwiegend Colourpoints gesucht. So hieß es schon am Telefon: "Bicolour? Nein, rosa Nasen wollen wir nicht!". Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, mein Shannahlein zu behalten - nicht zur Zucht, und nicht für Ausstellung, einfach nur für's Herz. Und ich bin den Leuten von damals immer noch dankbar, die sich meinen Bicolour-Nachwuchs nicht mal ansehen wollten... Shannah war ihr ganzes Leben lang so ein verschmustes, unendlich liebes und menschenbezogenes Kätzchen... ohne Übertreibung ein wahres Gottesgeschenk, das ich auch heute noch, nach so vielen Jahren als sie über die Regenbogenbrücke gereist ist, vermisse.

Manchmal liegt es wirklich an der mangelnden Nachfrage - es ist Urlaubszeit, einige Interessenten haben bereits exakte Vorstellungen und suchen garantiert genau das Geschlecht oder die Farbe, das/die man gerade nicht hat (tatsächlich scheint es, zumindest bei Ragdolls, immer wieder gewisse "Modewellen" zu geben - mal gibt es nur Anfragen nach Mädchen, dann nur nach Katerchen, es soll entweder ein "ganz dunkles" (seal) oder "ganz helles" (blue) Kätzchen sein, einmal sind Bicolour gefragt, dann möchte man unbedingt nur Colourpoint oder Mitted, und hier wiederum nur mit oder auf jeden Fall ohne Blesse...).


Im Gegensatz zu seinen aufgeschlossenen Geschwistern war Patrick ein eher schüchternes Katerchen. Daher traute ich kaum meinen Augen, als uns seine zukünftige Familie besuchte: Er lief sofort auf den 5-Jährigen Sohn der Familie zu, ließ sich das Bäuchlein kraulen und wich ihm auch sonst die ganze Zeit nicht von der Seite - gegenseitige Liebe auf den ersten Blick und genau die richtigen Menschen für ihn und seine Wurfschwester Kelly! Patrick hat sich bei seinen neuen Besitzern auch schon auf seine Art für viel Liebe und Zuwendung bedankt - eines Tages zeigte er laut maunzend eine defekte Steckdose an, in der ein Kabel begonnen hatte, durchzuschmoren...









Oder es fragen im Moment nur völlig ungeeignete Menschen an, wo sich der Züchter eher die rechte Hand abhacken würde, als auf einen solchen Platz etwas abzugeben, bzw. es kommen Nachfragen von zwar sehr lieben und katzengeeigneten Menschen, die aber gerade diesem Kätzchen nicht das richtige Umfeld bieten können. Wie ich schon auf der Seite über den Ragdollcharakter geschrieben habe, hat jedes Kätzchen im Wurf trotz eines rassetypischen Charakters auch noch seine ganz eigene Persönlichkeit. Das eine ist vielleicht ganz besonders neugierig und verspielt, während das andere eher ein stilles Träumerchen ist und das dritte vom Temperament her irgendwo in der Mitte liegt. Ein Sensibelchen würde in einer Großfamilie mit lebhaften Kleinkindern wahrscheinlich bald verzweifeln und ein Flitzezahn sich in einem ruhigen Single-Haushalt schnell zu Tode langweilen und mit allerlei Unsinn die Zeit vertreiben. D.h., nicht jedes Kätzchen ist für jeden Platz geeignet und es ist eine der wichtigsten Aufgaben eines seriösen Züchters, das ideale Zuhause auszusuchen.


Lexi mit ihrem Kumpel Lucky

Manche Katzen suchen sich aber auch selbst den geeigneten Platz aus... so geschehen z.B. bei unserer Lexi, einem lieben, selbstbewussten und sonst sehr kontaktfreudigen seal-colourpoint Mädchen, das sich allerdings beim Besuch von Katzeninteressenten stets zurückzog und schlafen legte und sich mit keiner Methode animieren ließ, doch etwas mehr von sich zu zeigen, nach dem Motto "das interessiert mich nicht", oder "ich möchte nicht vermittelt werden". Natürlich hielt sich so auch das Interesse der Katzenbesucher in Grenzen, bis uns eines Tages nette Katzenmenschen besuchten, bei denen sie plötzlich freudig angetrabt kam und begeistert mitspielte. Überflüssig zu sagen, dass Lexi nicht nur ihre neue Familie, sondern auch das Herz des bereits vorhandenen Katers im Sturm eroberte :-).


Diese beiden Katerchen sehen sich so ähnlich, dass selbst einem erfahrenen Züchter die Beurteilung schwerfällt. Somit heißt es - lieber abwarten, wie sich die zwei weiterentwickeln, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird, welches Kätzchen zu Hause bleibt

Last but not least kommt es gar nicht so selten vor, dass es sich bei einem älteren Kätzchen um den ganz besonderen Favoriten des Züchters handelt, von dem er sich am liebsten gar nicht trennen wollte. Bis eben doch irgendwann schweren Herzens die Vernunft siegt, schließlich soll der Katzenbestand noch überschaubar bleiben, damit niemand zu kurz kommt. Oder der Züchter hatte die Absicht, ein Kätzchen für die Weiterzucht zu behalten, konnte sich aber unter zwei fast gleichwertigen Katzenkindern nicht entscheiden und wollte daher die weitere Entwicklung der beiden beobachten, bis sich irgendwelche - für einen Liebhaber oft kaum ersichtliche, für den Züchter aber wichtige - Unterschiede herauskristallisierten. Solche Kätzchen werden folglich erst im fortgeschrittenen Alter angeboten, sind aber - wie jedes ältere Jungtier - nicht "übriggeblieben", sondern absolut liebenswerte und bildschöne Kätzchen, die in einem passenden neuen Zuhause zu einem wunderbaren neuen Familienmitglied werden und sich manchmal sogar schneller einleben als ein ganz junges Kätzchen.


Jeder Züchter kann ein Lied davon singen - vor allem zwischen der 8. und 16. Woche haben die Kleinen noch allerlei Unsinn im Kopf!

Ältere Kätzchen haben aber auch noch zusätzliche Pluspunkte. Während bei Kätzchen um die 12 Wochen noch richtig die Post abgeht, so dass man manchmal wirklich nur noch in Deckung gehen kann und am besten alles mögliche aus der Bahn räumt, sind ältere Jungtiere zwar immer noch sehr verspielt und für jeden Spaß zu haben, aber eben schon ein wenig "vernünftiger" und ruhiger. Kleine Kätzchen müssen häufiger gefüttert werden und können auch sonst pflege- und zeitintensiver sein als weitaus selbständigere, ältere Kätzchen, was vor allem für Berufstätige eine Rolle spielen kann. Und obwohl die Faustregel besagt, dass sich ein erwachsenes Tier am schnellsten mit einem kleinen Kätzchen anfreundet, kann es in bestimmten Fällen sogar besser sein, einer Erwachsenen ein halbwüchsiges, d.h. mehrere Monate altes Jungtier zuzugesellen, das seine "Flegeljahre" bereits hinter sich hat (siehe die Geschichte von "Mädi" weiter unten). Die Zusammengewöhnung von zwei fast gleichaltrigen "Jugendlichen" geht normalerweise sowieso recht fix, da hier schnell die Freude an dem neuen Spielgefährten überwiegt (sind beide Katzen jedoch bereits im "potenten" Alter, sollte man sich ggf. dazu entschließen, eine der beiden, noch besser jedoch alle zwei, vor dem Einzug des/der Neuen kastrieren zu lassen, damit es nicht zu Dominanzproblemen oder anhaltenden Revierstreitigkeiten kommt).


Ursprünglich wollte die Familie eines meiner Ragdollbabies adoptieren, da ihnen jeder im Bekanntenkreis von einem älteren Kätzchen abgeraten hatte. Aber Tyla, ein damals 6 Monate altes wunderschönes Ragdollmädchen mit traumhaftem Charakter (das leider recht spät einen zuchtausschließenden Fehler entwickelt hatte, so dass ich sie zu meinem allergrößten Bedauern nun doch abgeben musste), fand die Mutter klasse, die erst mal allein zum Katzen anschauen gekommen war, und lief ihr ständig nach. Und als beim nächsten Besuch auch die Tochter und deren Schulfreundin mitkam und beide spontan auf Tyla zugingen, "Ist die aber süß, genau die wollen wir!", blieb der Mutter gar nichts anderes übrig, als sich dem Schicksal zu ergeben... Aber ich denke, die Familie hat ihre Wahl nie bereut :-). Tyla, die Eltern, zwei Kinder, ein kleines Hündchen und mittlerweile ein gerettetes Hauskätzchen sind ein tolles Team!

Auch für Familien mit kleinen Kindern kann ein älteres Jungtier die bessere Wahl sein. Katzenbabies sind noch relativ unbeholfen, wenn es für sie zu stressig wird, können sie auf Dauer scheu oder aggressiv werden. Eine ältere und damit in gewissem Maße auch "robustere" Katze tut sich hier natürlich wesentlich leichter, kann sich, wenn es für sie unangenehm wird oder sie sich bedrängt fühlt, eher entziehen bzw. im Notfall auch mal wehren. Nichtsdestotrotz sind natürlich die Eltern dafür verantwortlich, dass ein Tier, egal wie alt, nicht als Kinderspielzeug missbraucht, sondern als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen behandelt wird.


Bei Kätzchen, die nicht in einem extra Katzenzimmer oder ähnlichem aufwachsen müssen, sondern richtig in den Züchterhaushalt integriert sind, ist übrigens auch der Züchter im höchsten Maße daran interessiert, dass all seine Katzen so "erzogen" sind, dass man problemlos mit ihnen leben kann (auch aus diesem Grund lohnt es sich, sich vor dem Kauf genau anzusehen, wo und wie ein Kätzchen aufgewachsen ist). Je länger also ein solches Kätzchen beim Züchter lebte, desto mehr hat es auch von dessen "Hausregeln" mitbekommen.


Domenica, genannt "Mädi", war eigentlich schon als kleines Kätzchen versprochen gewesen. Dann verletzte sie sich jedoch am Auge, deshalb zog ich es vor, die bestehende Reservierung aufzulösen. Mit 7 Monaten war endlich wieder alles ok, und ich bekam eine Anfrage von einer Dame, deren 13-Jähriger Perserkater nach dem Verlust seines langjährigen Katzenkumpels nun schon 3 Monate trauerte und weinte. Die Entscheidung, ob man so einem alten Kater mit einem neuen Kätzchen tatsächlich etwas Gutes tut, war nicht leichtgefallen. Da ich jedoch inzwischen wusste, dass speziell Domenica ein supersoziales Kätzchen ist und ihr neues Zuhause hier in München sein würde, so dass man sie zur Not leicht zurückholen konnte, wenn es nicht klappt, versuchten wir es einfach. Und es klappte viel besser als erhofft: Schon in der ersten Nacht kuschelten sich die beiden im Schlafkorb zusammen, der Kater erhielt seine Lebensfreude zurück und erlebte trotz seiner Krebserkrankung noch 2 wunderschöne Jahre. Und auch ich habe nicht wenig profitiert, hatte sozusagen Glück im Unglück... Die damalige Interessentin, die sich nach meiner Absage ein Kätzchen bei einem anderen Züchter aussuchte, hat diesen Züchter ganz schön über's Ohr gehauen (was mir nun Gott sei Dank erspart blieb). Und zwischen Mädis Besitzerin und mir ist im Laufe der Zeit eine wunderbare Freundschaft entstanden. Übrigens muss Mädis Frauchen niemals befürchten, in Notzeiten verhungern zu müssen... Mädi sorgt für's Essen!! Als ihre Menschenmami einen gebrochenen Fuß hatte, brachte ihr Mädi jeden Tag ein paar Weberknechte ins Bett, die sie auf dem Balkon gefangen hatte. Sobald ihr Frauchen problemlos aufstehen konnte, wurden diese "Gaben" wieder eingestellt :-).

Ein Beispiel: normalerweise lernen Ragdollbabies sehr schnell, wozu ein Kratzbaum da ist und benutzen ihn auch entsprechend. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel - im Laufe von 11 Züchterjahren hatte ich 2 Kätzchen aus unterschiedlichen Würfen, denen es einen Heidenspaß machte, woanders zu kratzen. Das eine nahm sich gerne den Teppich und andere flache Stellen vor, das andere vergriff sich an Holzmöbeln. Obwohl ich die neuen Besitzer der "Teppichkratzerin" vor deren Umzug mit 13 Wochen deutlich darauf hinwies, dass hier unbedingt noch Erziehung nottut, haperte es dann wahrscheinlich doch an der nötigen Konsequenz. Das Kätzchen machte sich selbst im hohen Alter noch fleißig am Sofa zu schaffen. Das andere Kätzchen bekam es dagegen mit meiner Hartnäckigkeit zu tun. Mit strikter Konsequenz und einigen Tricks konnte ich sie bis ca. zum 4. Monat umtrainieren. Zusammen mit ihrem Wurfbruder ist sie im Alter von 5 Monaten in ihr neues Zuhause umgezogen, und es gab nie Grund zur Klage... :-)


Wer sich vor allem für ein ganz kleines Kätzchen interessiert, weil es doch so süß aussieht, sollte bedenken, dass diese optische Babyzeit nur ganz kurz andauert. Auch ältere Kätzchen sind noch richtige Katzenkinder mit einem ganz besonders bezaubernden Charme, nur eben schon ein bisschen größer (und nicht selten noch viel schöner... besonders bei der Ragdoll gilt: je älter die Katze, desto attraktiver wird sie) - und manchmal sogar besser für die neue Familie geeignet.








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Erwachsene Katzen


Ich möchte an dieser Stelle vor allem auf die Abgabe von erwachsenen Rassekatzen durch den Züchter eingehen...


So ein seelenvoller Blick einer älteren Katze trifft direkt ins Herz...

Während es vorteilhaft ist, bei der Aufnahme eines Kätzchen ein gewisses Mindestalter einzuhalten, gibt es eigentlich kein Höchstalter, bis zu dem man eine Katze noch mit gutem Gewissen adoptieren kann. Auch wenn ältere Tiere bereits vorgeprägt sind, trifft für Katzen das Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" zum Glück nicht zu. Sogar ganz alte Katzen sind noch bis zu einem gewissen Maß flexibel und passen sich wunderbar einem für sie geeigneten neuen Zuhause an. Vielleicht muss man - je nach Vorgeschichte/Vorleben des Tieres - in dem einen oder anderen Fall ein bisschen Geduld aufbringen, aber es lohnt sich!


Bei einem Jungtier ist man nie vor Überraschungen sicher, wie es sich einmal entwickeln wird - aus diesem eher unscheinbaren Katzenkind...

Kleine Kätzchen können wahre Wundertüten sein, was ihr Aussehen und die Entwicklung ihres Charakters betrifft. Bei einem erwachsenen Tier weiß man dagegen ziemlich genau, auf was man sich einlässt, vorausgesetzt der Vorbesitzer, i.d.R. also der Züchter, klärt die potentiellen neuen Katzeneltern genau auf und verschweigt dabei auch nicht evtl. vorhandene kleinere oder größere "Macken". Denn schließlich hat am Ende weder Mensch noch Tier etwas davon, wenn der neue Besitzer irgendwann feststellen muss, dass die neuerworbene Katze Verhaltensweisen zeigt, mit denen er entweder nicht zurecht kommt oder nicht zurecht kommen will. Wobei hier extra betont werden muss, dass komplexere Probleme wie Unsauberkeit und ähnliches, die meist entstehen, weil sich die Katze in ihrem bisherigen Umfeld nicht (mehr) wohlfühlt, in einem neuen, passenden Zuhause normalerweise wie weggeblasen sind. Aber es ist doch nur mehr als fair, die neue Familie "vorzuwarnen", damit sie, wenn es hart auf hart kommt, auch gleich richtig reagieren kann. Und es sollte eigentlich Ehrensache sein, die Katze ggf. auch wieder zurückzunehmen, falls sich etwaige Unarten auch nach einer angemessen Eingewöhnungszeit auf dem neuen Platz nicht geben.


...wurde zum Glück ein stolzer Schwan! :-)

Die allermeisten erwachsenen Katzen, die vom Züchter abgegeben werden, sind jedoch absolut problemlos, ja echte Traumkatzen. Als ehemalige Zucht- und/oder Ausstellungstiere handelt es sich i.d.R. um ganz besonders typvolle, attraktive und liebe Vertreter ihrer Rasse. Vor dem Zuchteinsatz (oder zumindest vor dem geplanten Zuchteinsatz... denn leider klappt es nicht bei jeder Katze mit Nachwuchs) wurden alle möglichen Gesundheitschecks wie Leukosetest, Blutgruppenbestimmung, etc. durchgeführt. Je nach Zuchtrichtlinien des jeweiligen Vereins/den persönlichen Ansichten des Züchters sind die Katzen neben der für Jungtiere obligatorischen Grundimmunisierung auch noch gegen diverse andere Krankheiten vollgeimpft.


Außerdem gibt ein seriöser Züchter erwachsene Katzen ausschließlich kastriert an Liebhaberplätze ab, um diese Operation muss man sich also auch nicht mehr selbst kümmern (persönlich halte ich gar nichts davon, wenn jemand ein erwachsenes Tier unkastriert platziert, mit der Auflage, dass die Kastration demnächst vom neuen Besitzer durchgeführt werden muss... sehr unangenehm für die neuen Katzeneltern, die anstatt das neue Familienmitglied erst mal in aller Ruhe kennenlernen und sich an ihm erfreuen zu können, gleich zu Beginn eine Menge Stress mit dem Tier haben. Und noch unangenehmer für die betroffene Katze, die sich plötzlich nicht nur in einer völlig ungewohnten Umgebung mit fremden Leuten wiederfindet, sondern auch noch einen operativen Eingriff über sich ergehen lassen muss, der schon innerhalb eines vertrauten Zuhauses eine Belastung ist. Nicht viel weniger gefühllos ist es, wenn der Vorbesitzer die Operation zwar noch selbst durchführen lässt, das Tier aber unmittelbar darauf abgibt, quasi kaum dass es aus der Narkose erwacht ist oder die Fäden gezogen sind. So viel sollte einem dann doch an der Katze liegen, dass man abwartet, wie sich die Hormonumstellung auswirkt, und ihr auch sonst wenigstens vier oder fünf Wochen Zeit gibt, sich in gewohntem Umfeld erholen zu können).


Die meisten vom Züchter zu vermittelnden erwachsene Katzen sind mit einem Durchschnittsalter von 3 - 4 Jahren noch relativ jung, seltener sucht auch mal eine ältere Katze ein neues Zuhause. Aber egal wie alt das angebotene Tier auch ist - Katzen können locker ein Alter von 13 - 15 Jahre, ja immer öfter sogar 18 bis über 20 Jahre erreichen, man kann also voraussichtlich noch viele schöne Jahre mit seinem neuen Liebling genießen. Vielleicht ist man aber auch selbst nicht mehr ganz jung, oder man ist zwar nur zu gerne bereit, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, möchte sich aber nicht unbedingt gleich vorab für 2 Dekaden festlegen, weil man z.B. für später, wenn die Kinder ausgezogen sind, viele ausgedehnte Reisen plant. Hier ist die Aufnahme einer Katze in fortgeschrittenem Alter natürlich ideal.


Es gibt kaum einen gemütlicheren Tagesausklang als mit einer schnurrenden Katze auf dem Schoß...

Auch für Katzenfreunde, die es von Haus aus etwas gemütlicher lieben, und/oder sich z.B. wegen Berufstätigkeit nicht selbst um die Erziehung eines kleinen Kätzchens kümmern möchten oder können, kann eine erwachsene Katze eine perfekte Ergänzung sein. Ältere Tiere haben ihre Sturm- und Drangzeit bereits hinter sich, brauchen nicht mehr ganz so viel Abwechslung, und müssen ihre Bewegungsfreude auch nicht mehr unbedingt an Gardinen, Sofa oder Zimmerpflanzen ausleben. Dabei sind sie keinesfalls langweilig und bloße "Couch potatoes", sondern nehmen interessiert und aktiv am Leben ihrer Familie teil, nur eben auf eine ruhigere, gelassenere Art.


Selbst sehr menschenbezogene Katzen haben in jungen Jahren nicht immer "Zeit" für ausgedehnte Schmuse- und Kuschelstunden, je älter sie werden, desto empfänglicher werden sie für Streicheleinheiten. Unsere Neala z.B. war schon immer eine ausgesprochen anhängliche Katze, aber Schoßsitzen wäre ihr früher nicht mal im Traum eingefallen. Ab 5 Jahren genoss sie es aber sehr, und suchte auch sonst jeden engen Kontakt zu ihren Menschen, man konnte sich keine innigere Katze vorstellen! Besonders in ihren letzten Jahren (sie wurde 16, eigentlich schon ein ganz schönes Katzenalter, aber von Herzen gerne hätte ich noch sooo viel länger mit meinem Schatz verbracht...) hat sie fast auf mir "gewohnt" (neben mir auf dem Kopfkissen geschlafen - drehte ich mich im Schlaf um, wechselte auch sie die Kissenseite, um möglichst wieder meinem Gesicht nahe zu sein, beim Arbeiten am PC lag sie mindestens unterm Stuhl zu meinen Füßen, wenn nicht direkt auf meinem Schoß, etc.)


Der eine oder andere mag sich nun fragen, wie man es überhaupt übers Herz bringen kann, ein älteres Tier abzugeben, das man vielleicht sogar selbst aufgezogen und/oder schon mehrere Jahre beherbergt hatte. Die meisten Neu-Züchter, die wirklich nur aus Liebhaberei und Freude an der Rasse mit der Katzenzucht angefangen haben, haben sich deshalb geschworen, "Ich gebe niemals einen meiner Lieblinge her, alle meine Katzen dürfen ihr ganzes Leben bei mir bleiben!" Leider lässt sich dieser gute Vorsatz zum Wohle der Katzen nicht immer verwirklichen. Fast jeder Züchter, und sei seine Cattery noch so klein, muss irgendwann feststellen, dass er an einem Punkt angekommen ist, wo er sich entscheiden muss, entweder mit der Zucht aufzuhören oder sich schweren Herzens von der einen oder anderen Katze zu trennen.


Diese beiden Katzen verstehen sich prima und spielen nur miteinander. Aber es kann ganz schön unangenehm werden, wenn sich tatsächlich zwei oder mehr Katzen ständig gegenseitig bekriegen!

In einem reinen "Liebhaber-Zuhause" sind i.d.R. alle Katzen kastriert und es ändert sich nicht mehr viel, sobald sich einmal die Rangordnung aller Tiere eingespielt hat. Im Züchterhaushalt ändert sich die Rangordnung dagegen ständig... eine Katze wird rollig, trächtig, bekommt Babies, der Wurf wird abgegeben, es kommt vielleicht ein neues Kätzchen dazu, oder es wird eine eigene Nachzucht behalten, usw. usf. Manchen Katzen machen diese ständigen Änderungen überhaupt nichts aus. Andere wiederum, besonders wenn sie kastriert wurden und damit auf einen Schlag eine ganze Reihe Stufen die Rangleiter hinuntergefallen sind, kommen mit diesen Lebensumständen nur schwer zurecht und sind dabei absolut unglücklich, was sich im schlimmsten Fall sogar in Verhaltensstörungen äußern kann. Genauso verhält es sich mit Katzen, die sich nicht leiden können. Katzenzoff ist für einen Züchter, der gemütlich und harmonisch mit seinen Katzen leben möchte und es deshalb für ihn auch nicht in Frage kommt, auf Dauer seine Tiere getrennt voneinander "einzubuchten", ein ernsthaftes Problem.


Außerdem sollen es auch nicht zu viele Katzen werden. Meist hat ein langjähriger Züchter sowieso schon zwei, drei oder mehr geliebte ehemalige Zuchtkatzen, die er nicht mehr abgeben kann oder will. Weitere Kastraten zu behalten ist aber einfach nicht drin. Es ist nicht nur eine Platz- und Kostenfrage (wenn man in einer Mini-Zucht mit nur einem Wurf pro Jahr, aber etlichen Kastraten, allein in der Woche einen 20 kg Sack sparsames klumpenbildendes Streu und alle 10 - 14 Tage einen 9 kg Sack hochwertigen Trockenfutters verbraucht, sowie jährlich ein erkleckliches Sümmchen nur an Impfkosten hat, kommt man schon irgendwie ins Grübeln...), sondern man tut auch den Katzen nichts Gutes, wenn sie nur eine unter vielen sind und in der Gruppe untergehen.


Natürlich gibt es auch Züchter, die alle drei oder vier Jahre einen "Kollektionswechsel" vornehmen. Solchen Leuten geht es oft nicht mehr um das Tier selbst, sondern nur noch darum, den neuesten Trends und Farben hinterherzujagen, "unnütze Fresser" haben da nichts verloren, sondern werden baldmöglichst "abgesägt". Aber den meisten Züchtern liegen ihre Katzen doch sehr am Herzen und wägen genau ab, was das Beste für sie ist. - Und manchmal bedeutet dies eben, auch wenn es noch so schwer fällt, ein tolles neues Zuhause für ein Tier zu finden, wo es die Liebe seiner Menschen nicht noch mit vielen anderen teilen muss, sondern alleiniger Mittelpunkt der Familie ist.


Zwei Katzen, die sich innig lieben und die man mit gutem Gewissen auch gemeinsam platzieren könnte

Gesellige Katzen, die grundsätzlich Gesellschaft gewöhnt sind und sich nur im großen Pulk unwohl fühlen, tun sich allerdings sehr hart, wenn sie plötzlich als Einzeltier leben müssten. Je nach Temperament und Alter ist es in einem solchen Fall daher zu überlegen, ob man die Katze nicht besser an einen Platz abgeben sollte, wo bereits eine andere Katze lebt, die sich über einen neuen Katzenkumpel sehr freuen würde. Noch einfach ist es, 2 Kastraten (oder ein Kastrat und ein Jungtier), die sich kennen und mögen, zusammen in ein neues Zuhause zu vermitteln.


Auch eine "Notfallvermittlung" kann ein Grund dafür sein, dass plötzlich eine oder mehrere erwachsene Katze(n) neue, ganz besondere Menschen suchen, die den Umzugs-Stress und den Verlust der bisherigen Bezugsperson bald vergessen lassen... Selbst wenn der Züchter das Zuhause für seine Kätzchen noch so sorgsam ausgewählt hat, können natürlich immer mal unvorhergesehene Lebensumstände eintreten, die eine weitere Katzenhaltung unmöglich machen. Seriöse Züchter fühlen sich jedoch lebenslang für Ihre abgegebenen Kätzchen verantwortlich und haben sich deshalb meist schon im Kaufvertrag ein Vorkaufsrecht gesichert. Daher sollte man sich auch immer vergewissern, ob - speziell, wenn es sich um einen Nicht-Züchter handelt - der Verkäufer/der Anbieter eines älteren Jungtieres/einer erwachsenen Katze auch zur Abgabe berechtigt ist.


Leider hat es schon Fälle gegeben, wo eine Rassekatze illegal abgegeben wurde, ja sogar im Tierheim gelandet ist, obwohl der ehemalige Besitzer verpflichtet gewesen wäre, die Katze an den Züchter zurückzugeben bzw. den Züchter darüber zu informieren, dass er sie nicht mehr halten kann oder will. Hier kam es übrigens schon mehrmals zu einer rechtskräftigen Verurteilung vor Gericht, wo diese verantwortungslosen Ex-Katzenbesitzer dazu verdonnert wurden, die im Falle eines Verstoßes festgelegte saftige Vertragsstrafe zu zahlen. Ein Kaufvertrag ist kein wertloses Blättchen, das man guten Gewissens im nächsten Papierkorb versenken und für immer vergessen kann, sondern er wurde im Normalfall sorgfältig aufgesetzt, um beide Parteien - Züchter und Käufer - in ihren Rechten und Pflichten abzusichern, und vor allem um die betroffene Katze zu schützen.


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